Wat jibbit? 420 vs. 4711

In öffentlichen Verkehrsmitteln wird pro standardmäßig minderbelüftetem Fahrgastraum und pro Fahrtdauer einer durchschnittlichen Podcastfolge etwa ein Schinkenbrötchen, eine Leberwurststulle oder eine Bifi-Roll geunboxt. So zumindest das Ergebnis einer meiner losen privaten Feldstudien. Das Problem dabei: Ein solcher Snack pro Waggon, Deck oder Kabine ist gleichbedeutend mit einem Snack pro Nase. Und „pro Nase“ meint hier in jedem Fall „contra Nase“.

Im Kampf Mampf gegen Mampf mischen neben den genannten Hanswürsten selbstriechend noch weitere Miefmahlzeiten mit, darunter Asiabox, Thunfischpizza und Barbecue Bacon Burger – die Büchsen der Foodora. Knapp vor dem Eiersalat haben jedoch die Fertigfrikadellen die Nase vorn bzw. hinten. Wie auch immer, hässliche Gratulation zum Höchstwert auf der Stinkerskala! Ihren Entpackerinnen und Entpackern winkt ein ganz besonderer Platz in der Hölle der Pfuiteufel.

Zwischen den Zeilen, am Rande des Ranz liest es sich vielleicht: Ich würde mich tendenziell eher als geruchsempfindliche Person beschreiben. Vom Kopfschütteln übers Kopfzerbrechen bis hin zu tatsächlichen Kopfschmerzen halte ich einige Reaktionen auf die rücksichtslosen Raumluftattacken meiner Mitmenschen bereit. Kopfnüsse gehören noch nicht dazu. Dass sich Menschen insbesondere über den Geruch von Kiff echauffieren, verwundert mich aber und ärgert mich sogar, sobald sie Kifferinnen und Kiffern deshalb per se schlechten Körpergeruch attestieren. Du bist nicht, was du kiffst.

Bleiben wir also beim Eau de Cannabis an sich, dessen Wahrnehmung naturgemäß subjektiv ausfällt. Was mich vor allem Kräuter, Räucherstäbchen oder den (Licht-)Geschmack mancher Biere assoziieren lässt – Hopfen und Hanf sind schließlich Family –, beschreiben andere nonchalant als „Katzenpisse“, „Gartenabfälle“ oder „alte Play Doh-Knete“. Immerhin, die weitverbreitete Einschätzung, dass das OttOdor dem des menschlichen Schweißes ähnelt, teile ich. Dass Schweiß aber nicht nur Gestank, sondern auch Duft sein kann, wird dabei gerne unter die Achsel gekehrt. Wer schwitzt, stinkt. Und wer schwitzt und dabei gut riecht, hat lediglich einen „angenehmen Eigengeruch“.

In der Tat finden sich aus chemischer Sicht einige Elemente und Verbindungen des Cannabis in unseren Ausdünstungen wieder. Was all das mit ekkrinem Wärmeregulationsschweiß, apokrinem Sex- bzw. Stressschweiß, den darin enthaltenen Terpenoiden und Terpenen sowie den Bakterien der Hautflora zu tun hat, erklärt aber besser jemand, der oder die die Unterscheidung zwischen Shampoo und Duschgel nicht für reines Marketing hält. Sorry!

Stattdessen ein Nachschlag zur Güte: „Ein Olf ist die Geruchsbelastung, die von einem Normmenschen (erwachsene Person mit einem Hygienestandard von 0,7 Bädern pro Tag, 1,8 m² Hautoberfläche und bei sitzender Tätigkeit) ausgeht.“ Damit lässt sich doch arbeiten! Oder zumindest dagegen. Wirklich wissenschaftlich klingt die Wikipedia-Definition der „Maßeinheit zur Bewertung der Stärke einer Geruchsquelle“ mit den individuellen Faktoren „Bad“ und „Hautoberfläche“ zwar nicht, dennoch lässt sich die Intensität von Gerüchen zweifelsohne besser beeinflussen als der Gusto der Riechenden.

Speziell für die Eindämmung der Weed-Witterung hat das Internet einige Tipps parat: Stoßlüften, Abluftsysteme einschalten, luftdichte Behälter nutzen, One-Hitter verwenden, Geruchsneutralisatoren einsetzen, den Rauch in einen Sploof blasen, verdampfen, essen oder einfach draußen konsumieren. Das Verschleiern durch Duftkerzen, Weihrauch, Lufterfrischer, Kaugummis, Parfüms und Ähnlichem sollte dabei nur ergänzen – Chanel Nummer sicher. Das gilt übrigens für alle Gerüche von Kiff über Knoblauch bis hin zu Kaffee-Kippe-Karies. Oder wie mein alter Sportlehrer unermüdlich zu sagen pflegte: „Waschen hilft!“

Grundsätzlich ist vermiedener Gestank natürlich besser als Gestank, Gestank aber immer noch besser als mit Gestank übertünchter Gestank. Das durfte ich jüngst auf einer spottbilligen, aber ansonsten spaßbremsenden Fernbusreise abermals erfahren. Aus dem Nichts zog irgendein Jockel zwei Reihen vor mir eine türkische Pizza und schoss damit ohne Rücksicht auf Verduft in die Nasen seiner Mitreisenden. Morgens halb zehn in Deutschland. Daraufhin zückte die letzte Reihe Deo gewordene Misanthropie und sprühte zum Gegenangriff. Hackfresser trifft Dosenpatchouli, voll auf die Olf. Ich bin mir sicher, irgendwo inmitten solch olfaktorischer Fuck Yous erfand der Mensch den Stinkefinger. Dann lieber Hotbox!