The Higher Self Neuer Trend: Cannabis-Yoga

So beliebt Yoga in USA und Europa geworden ist, so vielfältig seine Interpretationen. Um noch entspannter zu praktizieren, wird zum Beispiel auf Bier und Ziegen zurückgegriffen. Dass Cannabis auch seinen Anteil zur Tiefenrelaxation beitragen kann, hat die Gesundheits- und Fitnessbranche längst gewittert. In Deutschland trifft man sich zum Ganja Yoga aber noch heimlich, um gemeinsam den besonderen Flow zu genießen.

Der Schluck aus der Flasche ist nicht nur nach schweißtreibenden Übungen erlaubt, sondern auch währenddessen: Beim Bier-Yoga leeren die Yogis etwa zwei Flaschen pro Kurs. Aus der Balance-Übung „Baum“ wird der „Bierbaum“. Als zusätzliche Herausforderung gilt es, die Bierflasche auf dem Kopf zu balancieren. Besonders schwierig ist das Trinken ohne Hände. Wenn die Teilnehmer auf dem Boden kauernd versuchen, die Flasche mit dem Mund anzuheben und zu trinken. Das bedeutet Körperbeherrschung der besonderen Art. Und so geht`s: Erst die Lippen fest um den Flaschenhals schließen, dann die Öffnung mit der Zunge verschließen, den Kopf (mit Bierflasche!) hoch nehmen und nach einem kräftigen Schluck die Flasche wieder mit dem Mund auf dem Boden absetzen. An dieser Übung scheitern die meisten Teilnehmer. Hier heißt es üben, üben, üben.

Bierwusstseinserweiternd

Bier-Yoga ist im wahrsten Sinne des Wortes aus den USA zu uns herübergeschwappt: eine Verbindung von Sport und Biergenuss, bei der klassische Yogaübungen mit dem Griff zur Flasche kombiniert werden. In Berlin und anderen deutschen Städten gibt es bereits regelmäßig stattfindende Kurse. Das Bier soll zusätzlich zu den Yogaübungen für Entspannung sorgen und das Bewusstsein erweitern. So wird purer Einklang zwischen Körper und Geist erzeugt, sagen die Anhänger der neuen Trendsportart. Bier mache ein bisschen locker, Yoga stärke das Körperbewusstsein, das lasse sich perfekt zu einer „energetisierenden Erfahrung“ verbinden.

An Ziegen schmiegen

Eine andere, alkoholfreie Variante, die für mehr Entspannung sorgen soll und nicht weniger schräg klingt, ist das Ziegenyoga. Die Kurse finden auf der Wiese statt, wo die Ziegen sowieso grasen. Eine Expertin dieser Zunft ist Lainey Morse, die in Oregon die „Original Goat Yoga Experience“ anbietet. „Unsere Mission beim Goat Yoga ist es, ein Erlebnis zu bieten, das deine psychische wie auch körperliche Gesundheit verbessert, indem es Yoga mit Ziegen kombiniert“, erklärt sie im Interview mit CNN. Und die Bilder auf ihrer Website zeigen glückliche Menschen in allen möglichen Positionen, an die sich Ziegen schmiegen.

Als Beweis für die positive Wirkung führt Morse ihre eigene Autoimmunkrankheit an. Die Symptome seien dank des Goat Yogas schon viel besser geworden. „Ich bin jeden Tag nach Hause gekommen und habe Zeit mit meinen Ziegen verbracht – das hatte eine große therapeutische Wirkung auf mich.“ Es sei schwer, traurig oder depressiv zu sein, wenn ein Ziegenbaby auf einem herumhüpfe.

Beim Goat Yoga geht es jedoch nicht nur darum, Mensch und Tier, sondern auch Menschen untereinander zusammen zu bringen. Die Ziegen sind ein Eisbrecher. Sobald sie im Spiel sind, ist ein Yoga-Kurs von Lachen erfüllt. Und Lachen bringt Entspannung. Die Yogaübungen werden beim Goat Yoga eher zur Nebensache. Es geht darum, umherwandernde Gedanken und den Alltagsstress loszulassen.

Wir werden nicht einfach high und machen Yoga. Es ist keine Partyszene, in der Cannabis nur zum Spaß verwendet wird. Die Erfahrung des ­Higher-Self-Yoga geht tiefer und lädt ein, das Bewusstsein zu erkunden. Glory Sanderson, Yogatrainerin, L.A.

Auch der Perfektionsdruck, die Übungen bestmöglich auszuführen, schwindet. Die wahren Stars des Kurses sind die Ziegenbabys. Die Interaktion mit den Tieren hat für viele einen hohen Entspannungseffekt.

„Bring your own Cannabis“

Daneben ist Ganja Yoga eigentlich schon naheliegend. In einigen kanadischen Städten wird es bereits seit einigen Jahren praktiziert. So bezeichnete die Zeitschrift HIGH TIMES diese Form des Yogas als „Pot’s Greatest Hits
of 2012“. In den USA avancierte der neue Fitnesstrend erst kürzlich zum absoluten In-Sport, auf den sich schnell eine ganze Industrie mit entsprechenden Wellness-Grasprodukten eingeschossen hat. Von besonders relaxenden Can­nabis-Bodylotions bis hin zu speziellen Hanfsorten, die eine optimale Entspannung und Aktivierung des Körpers und der Seele verheißen. Hinzu kommen die unzähligen Studios, die entsprechende Yoga-Kurse und Workshops mit Hanf im Programm haben. Da ist schon mal der Vaporizer mit am Start, dazu gibt es Sativa-Gras zum Aktivieren der Sinne und zum Ende der Session dann Indica für maximale Entspannung. Die absolute Ganja-Yoga-Hochburg ist der Sun­shine State Kalifornien. So sind in Los Angeles etwa Kurse oder Events wie „BYOC – Bring your own Cannabis“, „CannaYoga“, „Cannabis & Yoga Workshops“ oder „Higher Self Yoga“ bereits gang und gäbe.

„Fang langsam damit an!“

Glory Sanderson (32) ist Yoga-Trainerin in Los Angeles. Sie praktiziert seit sieben Jahren Yoga und unterrichtet seit fast fünf Jahren. Zunächst hatte sie durch die negativen Informationskampagnen in den USA keine gute Meinung über Cannabis. In ihren Augen war Dope etwas Schlechtes, eine Droge. Als ihr Vater jedoch eine traumatische Hirnverletzung erlitt und nur durch eine progressive Behandlung in Colorado mit Cannabis eine Besserung eintrat, wandelten sich ihre Meinung und ihre Einstellung und sie begann, sich intensiv mit Cannabis zu beschäftigen. Heute gibt sie Ganja-Yoga-Kurse. „Die Kombination von Yoga und Cannabis schafft ein intensives Gemeinschaftsgefühl und ermöglicht eine verbesserte Entspannung und Schmerzlinderung für diejenigen, die Beschwerden haben oder sich unbehaglich fühlen. Rastlose Menschen, die sich nur schwer entspannen können, kommen leichter zur Ruhe“, erklärt sie. Ihre Empfehlung: „Ganz gleich ob Cannabis oder Yoga oder beides zusammen – fang langsam damit an.“

Geheime Verabredung per Whatsapp

Phillip (28), Yoga-Lehrer aus Köln, meint zu dem Trend aus den USA: „Ich freue mich sehr, dass Ganja Yoga auch in Deutschland immer mehr Zulauf findet. Leider ist es hier halt rechtlich eine Grauzone. Der Besitz von Marihuana ist strafbar, die ‚geringe‘ Menge zum Eigengebrauch, bei der die Staatsanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen kann, ist in jedem Bundesland unterschiedlich. Gras zu konsumieren, ist nicht grundsätzlich verboten. Deshalb können wir damit nicht so frei umgehen. Die Leute, die mitmachen, sind eher aus dem engeren Freundes- und Bekanntenkreis. Wir hoffen, dass sich die Gesetze bald lockern und viel mehr Leute in den Genuss dieser besonders bewusstseinserweiternden Yoga-Form kommen können.“ Und wie läuft das ab? „Wir verabreden uns über geheime Whatsapp-Gruppen und treffen uns meist in privaten Räumlichkeiten. Jeder bringt seine eigene Yoga-Matte und sein eigenes Weed mit. Zunächst unterhalten wir uns locker und rauchen zusammen und lassen die Alltagseindrücke langsam schwächer werden. Wenn alle gut drauf sind, beginnen wir mit unseren Übungen. Im Mittelpunkt steht immer die Atmung, den Schweregrad der Übungen stimme ich immer darauf ab, auf welchem Level die Teilnehmer sind. Zum Ausklang der Session und Übergang zur Entspannungsphase wird gerne noch einmal etwas geraucht. Übrigens nutzen wir dazu den Verdampfer, weil Tabakkonsum auch auf die Atmung geht.“

„Fühlt sich an wie ein kleiner Urlaub“

Die Atemübungen beim Yoga sind sehr effizient mit Cannabis, die Stressreduktion funktioniert für viele Leute noch besser. Muskeln entspannen sich leichter, was einen therapeutischen Effekt hat. Vor allem diese Wirkungsweise wird in immer mehr Yoga-Klassen in den Mittelpunkt gestellt. Die entsprechende Literatur zum Thema empfiehlt die richtigen Hanfsorten, die Anwendung von Haschisch und Blüten während der Session bis hin zur Sextherapie mit Gras und Tantra-Techniken. Ingo (23), Student aus Berlin, berichtet von seinem ersten Mal: „Erst war ich skeptisch, ich rauche zwar hin und wieder einen Joint, aber Yoga hielt ich bisher immer für esoterischen Kram. Meine neue Freundin hat mich dann einfach mal mitgenommen zu einer Session. Und ich muss sagen, es war richtig cool. Ich war lange nicht mehr so entspannt. Es fühlte sich an wie ein kleiner Urlaub, ich mache das wohl jetzt öfter.“

Neue Studie belegt: Cannabis fördert die Sport-Motivation

Es gibt unzählige Vorteile des Cannabiskonsums – sowohl für chronisch Kranke als auch für Genusskonsumenten. So wurde u. a. festgestellt, dass Konsumenten seltener an Diabetes erkranken und häufig einen niedrigeren BMI haben als Nichtkonsumenten. Eine neue Studie hat nun ergeben, dass Cannabiskonsumenten länger trainieren als unberauschte Sportler. Die Studie wurde von Forschern der University of Colorado durchgeführt. Dabei wurden mehr als 600 Cannabis-Konsumenten in US-Staaten befragt, in denen Cannabis legal ist. Fast 500 dieser Teilnehmer gaben an, dass sie die Verwendung von Cannabis entweder bis zu einer Stunde vor oder bis zu vier Stunden nach dem Training befürworten. Basierend auf den Umfragedaten hatten diejenigen, die Cannabis in diesem Zeitraum konsumierten, längere Trainingseinheiten als diejenigen, die dies nicht taten – durchschnittlich 43 Minuten länger für Aerobic-Übungen und 30 Minuten länger für anaerobe Übungen.

Höherer Sportgenuss, bessere Erholung

Es gibt mehrere Gründe, warum Menschen Cannabis verwenden, um ihr Training zu unterstützen. 78 Prozent gaben an, sie stimmen darin überein, dass sich „die Erholung nach dem Training verbessert“, während 70 Prozent der Meinung sind, dass „Cannabis den Sportgenuss erhöht“. 50 Prozent sagten, dass es „die Motivation erhöht“. Dieses Forschungsergebnis belegt auch aus wissenschaftlicher Sicht, dass eine sportliche Betätigung wie Yoga und der Genuss von Cannabis sich nicht ausschließen, sondern eher positiv verstärken.