Stir it up

Hanf ist gesund. Nele Wobker hat vor sechs Jahren entschieden, vegan zu leben. Komplette Askese ist aber nicht ihr Ding: Ab und an lässt sie auch mal einen selbstgemachten Met ihre Kehle herunterlaufen.

Nicht nur als Teil der Nahrung, sondern auch auf der Haut kann die Pflanze wahre Wunder bewirken. Und das Beste: Man kann sich Hanfkosmetik selbst herstellen. Unsere Autorin Nele zeigt, wie man Gesichtsmasken, Shampoo und Lotion zuhause anrührt.

Unsere Haut ist eines der komplexesten Sinnesorgane überhaupt. Sie dient nicht nur als Wärmeregulator und Schutzschild vor schädlichen Umwelteinflüssen, sondern bewahrt den Körper auch vor Wasserverlust. Entscheidend für die Funktionalität dieser Eigenschaften ist die oberste Hautschicht (Stratum Corneum). Sie sollte deshalb besonders gut behandelt werden. Wer oft in Berührung mit stark entfettenden Seifen, Putzmitteln, Badezusätzen, Waschmitteln und anderen Saubermachern gerät, zerstört immer wieder den empfindlichen Schutzmantel der Haut. Aber auch trockene Heizungsluft, eine Verlangsamung des Zellstoffwechsels, zu viel Sonne und Diabetes können unsere Haut austrocknen und entfetten. Dadurch ändert sich die Lipidzusammensetzung, was wiederum dazu führt, dass sich die Haut dünn und empfindlich anfühlt und Wasser nicht mehr richtig speichern kann.

HANFÖL HILFT VON INNEN UND AUSSEN

Alpha-Linolensäure im Hanföl hat stark regenerierende und zellerneuernde Eigenschaften, welche die Schutz- und Abwehrfunktionen der Haut unterstützen. Die ebenfalls reich in Hanföl vorkommende Gamma-Linolensäure wirkt entzündungshemmend. Diese Kombination macht Hanföl zu einem regelrechten Alleskönner für unsere Haut.

Die beiden essentiellen Fettsäuren kommen zwar auch in anderen Pflanzenölen vor, allerdings passen sie mit ihrem häufigsten Fettsäureverhältnis von 30:1 nicht zu dem Fettsäuremuster menschlicher Haut mit einem Verhältnis von 3:1. Hanföl befindet sich exakt in diesem Verhältnisrahmen.

Nicht nur bei besonders trockener, reifer oder empfindlicher Haut ist Hanföl gut einsetzbar. Auch bei diversen Hauterkrankungen wie Scheckhaut, Psoriasis, Ekzeme – darunter auch Neurodermitis, Dermatitis, Akne und Hautlupus – verspricht Hanföl eine deutliche Verbesserung der Symptome.

Studien belegen, dass bereits zwei Teelöffel Hanföl am Tag, idealerweise vor oder zu den Mahlzeiten eingenommen, für gesunde und weiche Haut sorgen. Ergänzend dazu können Cremes, Badezusätze, Shampoos, Gesichtsmasken etc. benutzt werden. Dadurch, dass Hanföl fast identisch mit unseren körpereigenen Lipiden ist, kann es tief in die Zellen einziehen und auch Zwischenräume befeuchtet halten. Es wirkt in der Epidermis reinigend und entgiftend, was für einen Ausgleich des Hauttons sorgt. Das Besondere daran ist, dass Hanföl die Haut zwar fettet, aber nicht fettig macht, weil es so gut absorbiert werden kann und tiefenwirksam ist. Dadurch ist es sogar in der Lage, den Teint zu verbessern. Angst vor einer fettig-glänzenden Stirn muss also keiner haben. Andere Öle bleiben oft auf der Haut kleben, anstatt in sie einzuziehen und hinterlassen unangenehm-klebrige Fettrückstände. Noch dazu verstopfen sie die Poren, was die Bildung von Pickeln und Hautunreinheiten vorprogrammiert.

SAMTIGE MÄHNE

Hanföl enthält viele gesunde Inhaltsstoffe und Vitamine für alle Haartypen. Die essentiellen Fettsäuren im Hanföl stimulieren das Wachstum der Haare. Die Gamma-Linolensäure kann gegen Trockenheit der Kopfhaut und des Haares helfen, was wiederum dem Haarausfall vorbeugen kann. Inwiefern Hanföl bei hormonell bedingtem Haarausfall helfen kann (zum Beispiel im Alter oder nach Schwangerschaften) ist nicht abschließend geklärt. Fest steht allerdings, dass Hanf viel Gamma-Linolensäure enthält, welche wiederum für einen funktionierenden Hormonhaushalt wichtig ist.

Interessant: Rund 97 Prozent des menschlichen Haares werden aus Proteinen gebildet. Da ungefähr 25 Prozent des Hanföls aus Protein besteht, hilft es dem Haar, denn die zusätzliche Proteinzufuhr stärkt es und sorgt für eine glänzende, wallende Erscheinung.

KOSMETIKKÜCHE MIT HANFÖL

Das grüne bis dunkelgrüne Hanföl wird von vielen Menschen als angenehm krautig-duftend wahrgenommen. Es kann zur Herstellung zahlreicher Kosmetika verwendet werden. Sollte man Seife damit herstellen, färbt sich auch diese leicht grünlich. Es macht die Seife aber weich, weswegen Hanföl sparsam eingesetzt werden sollte. Eine Zugabekonzentration von zehn Prozent ist völlig ausreichend. Folgende Produkte können zudem mit Hanföl leicht selbst hergestellt werden:

Bodylotion für besonders durstige Haut

Um eine reichhaltige Bodylotion herzustellen, werden 30 Gramm Sheabutter und 30 Gramm Kokosöl über einem Wasserbad zum Schmelzen gebracht. Wenn sich alles gut vermischt hat, werden 20 Milliliter Hanfsamenöl hinzugefügt. Wer möchte, kann mit Hilfe von einigen Tropfen ätherischer Öle den Duft verändern und zusätzliche pflegende Eigenschaften hinzufügen.

Die angerührte Creme gehört anschließend in den Kühlschrank, damit sie fest wird. Nach einigen Stunden sollte sie dann noch einmal mit einem Handmixer verrührt werden, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Auch die selbstgemachte Bodylotion ist nicht lange haltbar. Gut verschlossen in einem sauberen Deckelgefäß kann sie gekühlt aber bis zu vier Wochen halten.

Selbstgemachte Pflegeprodukte haben viele entscheidende Vorteile: Zum einen sind sie frisch und hochwertig. Und ihre Reichhaltigkeit kann durch Abwandlung der Grundrezepte immer wieder neu an die Ansprüche von Haut und Haar angepasst werden. Außerdem können größere Mengen für weniger Geld mit weniger Zutaten und somit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Allergien in Eigenarbeit produziert werden. Es fällt deutlich weniger Plastikmüll an und bei DIY-Produkten muss der Verbraucher keine kryptischen Angaben zu den Inhaltsstoffen entziffern.

Wer dennoch lieber seine gewohnten Produkte aus dem Handel nutzen möchte, kann diese mit etwas Hanfsamenöl aufwerten und muss nicht auf die durchweg positiven Eigenschaften des Öls verzichten. Ob Shampoos, Seifen, Cremes, Badeöle oder Conditioner, ein paar Tropfen Hanfsamenöl können Wunder wirken.

Gesichtsmasken

Feuchtigkeitsgesichtsmasken können ebenfalls gesünder, günstiger und ohne unnötigen Verpackungsmüll zuhause selbst angerührt werden. Besonders gut kann die Haut auf die Maske vorbereitet werden, wenn sie zuvor gereinigt und gepeelt wurde.

Gut zu wissen: Auch das Peeling kann auf die Do-it-yourself-Art erledigt werden. Dazu wird einfach etwas gemahlener Kaffee mit ein wenig Gesichtsöl vermischt und in kreisenden Bewegungen im Gesicht aufgetragen. Das Koffein wirkt auch als Wachmacher für die Haut.

Für eine reanimierende, frische Gesichtsmaske gegen trockene Haut werden eine halbe Papaya (den Rest essen) und eine kleine Avocado fein püriert und mit einem Teelöffel Hanfsamenöl sowie einem Teelöffel Agavendicksaft und – bei besonders unreiner Haut – einem Spritzer Zitronensaft vermengt. Der entstandene Brei wird anschließend auf das Gesicht aufgetragen und muss einwirken. Die Augenpartie aussparen. Nach 20 Minuten kann die Maske mit lauwarmem Wasser abgetragen werden. Die Masken sind zum Sofortverbrauch gedacht und halten nicht lange.

Gut zu wissen: Papaya enthält das Enzym Papain, das die Haut frisch aussehen lässt und zart macht. In Avocados stecken wertvolle Fette, die zusätzlich zum Hanfsamenöl gegen trockene Haut helfen. Durch die Säure in der Zitrone verengen sich die Poren, wodurch das Hautbild feiner und ebenmäßiger wirkt. Agavendicksaft klärt und beruhigt die Haut und hilft ihr, die Feuchtigkeit zu halten.

Shampoo selbstgemacht

Für die Shampooherstellung braucht man nichts als Hanföl, Wasser und die richtige Seife. Hierzu eignet sich am besten ein Stück Natur- oder Kernseife, das mit einem Küchenhobel in Seifenspäne zerkleinert wird. Anschließend werden das Stück Seife, 125 ml warmes Wasser und halber Teelöffel Hanfsamenöl miteinander vermengt. Nach Lust und Laune können weitere Komponenten wie ätherische Öle hinzugefügt werden.

Zur Verwendung ein Hinweis: Oft müssen sich die Haare erst an die neue und natürlichere Art der Haarwäsche gewöhnen und wirken unter Umständen in der Umstellungszeit etwas stumpf. Ursache sind hier die Silikone und Parabene, die für gewöhnlich in fertigen Shampoos enthalten sind und die Haare umschließen. Oberflächlich betrachtet sehen die Haare dadurch eine Zeit lang glänzend aus. Tatsächlich wirkt die Behandlung mit derartigen Produkten aber eher, als würde man ein rostiges Auto einfach überlackieren. Die Haare „verlernen“ dabei, aus eigener Kraft zu glänzen und werden nach und nach immer mehr geschwächt, so dass es auch für konventionelle Pflegeprodukte immer schwieriger wird, die schöne Fassade aufrecht zu erhalten.

Die Umgewöhnung auf selbstgemachte Shampoos kann einige Wochen dauern, doch das Warten lohnt sich. Als Belohnung erhält man kräftige, natürlich-glänzende Haare, oft auch stärkeres Haarwachstum. Das selbstgemachte Hanfölshampoo enthält keine Konservierungsstoffe. Es sollte also immer nur so viel Shampoo, wie in zwei Wochen verbraucht werden kann, angerührt und möglichst im Kühlschrank gelagert werden. Kleinere Mengen für ein bis zwei Wäschen kann man in Portionsfläschchen in der Dusche aufbewahren. So erspart man sich das Nass-durchs-Haus-Laufen, weil mal wieder das Shampoo im Kühlschrank vergessen wurde.

Beauty Treatment fürs Haar

Neben der Option, das Hanföl mit der Nahrung aufzunehmen, gibt es weitere gute Möglichkeiten, Hanf als Schönheitselixier zu verwenden. Zum Beispiel in Form von Conditioner oder Shampoos. Als Conditioner kann das Öl pur verwendet werden. Das enthaltene Vitamin E sorgt für gesunde Zellen, die Fettsäuren bewahren die Feuchtigkeit und machen das Haar weich. Hierzu wird ein Esslöffel voll Hanföl in die Kopfhaut einmassiert. Überschüssiges Öl sollte vorsichtig ausgebürstet werden. Anschließend muss das Öl für mindestens 20 Minuten einwirken und danach ausgewaschen werden.