PUMP IT like Arnie

Bodybuilding und Cannabis. Geht das zusammen? Viele Sportler sehen in Cannabis wie in Alkohol und Zigaretten ein No-Go. Andere, wie z. B. der mehrfache „Mr. Universum“ Arnold Schwarzenegger, sind da weniger streng.

2010 unterschrieb der damalige kalifornische Gouverneur den Gesetzesvorschlag SB 1449 zur Entkriminalisierung von Cannabis, der den Besitz von bis zu 28,5 Gramm Cannabis nicht mehr als gerichtsrelevante Straftat tituliert. Lediglich ein Bußgeld von maximal 100 US-Dollar durfte von da an verhängt werden. Direkt unter seine Unterschrift notierte Schwarzenegger den Grund für seine Entscheidung: „In dieser Zeit der drastischen Haushaltskürzungen können wir es uns nicht leisten, ein Verbrechen zu verfolgen, dass dem Kriminalitätslevel eines Strafzettels gleichkommt.“

HAT ER ODER HAT ER NICHT?

Besonders vor und während seiner Zeit als Gouverneur von Kalifornien beschäftigten sich US-Medien und Kritiker intensiv mit der Frage, ob Schwarzenegger in der Dokumentation „Pumping Iron“ (1977) dabei zu sehen ist, wie er einen Joint raucht, oder nicht. 2003 wurde Schwarzenegger dann zum Gouverneur, doch die vehement lauter werdenden Fragen brachen nicht ab. Schwarzenegger selbst schien irritiert zu sein, als man ihn fragte, ob er jemals Drogen genommen habe, und verneinte die Frage. Gleichzeitig gab er offen zu, in den 70er Jahren regelmäßig Marihuana geraucht zu haben. Medien und Kritiker schlugen Alarm und zweifelten öffentlich Schwarzeneggers Befähigung für das Amt des Gouverneurs an. Schwarzenegger, der nie ein Geheimnis aus seinem Cannabiskonsum gemacht hatte, erklärte sich: „Das ist keine Droge, das ist ein Blatt! Meine Droge war es, Gewichte zu stemmen!“. Trotz oder gerade wegen Schwarzeneggers Aufrichtigkeit waren seine PR-Berater unzufrieden, sodass er Wochen später beteuern musste, ihm sei klar, „dass Marihuana eine Droge ist“. Am Ende blieb Arnie sich aber treu, als man ihn 2012 auf ein anderes Cannabisgerücht ansprach: Er solle mit keinem Geringeren als Barrack Obama gekifft haben. Schwarzenegger dementierte die Behauptung zwar, ließ es sich aber nicht nehmen, in gewohnt humoristischer Weise hinzuzufügen: „Möglicherweise saßen wir nebeneinander, aber jeder hatte seinen eigenen Joint – weil er [Obama] nicht teilen wollte“.

Um die 70er Jahre befand sich Schwarzenegger auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn und wurde sieben Mal „Mr. Olympia“. Obwohl er mehrmals bestätigte, in seiner Zeit als Bodybuilder unter ärztlicher Aufsicht Anabolika genommen zu haben, scheint sich die Öffentlichkeit bis heute mehr für seinen Cannabiskonsum zu interessieren.

BODYBUILDING BEDEUTET NICHT EINFACH NUR „SPORT“.

Fest steht, dass Schwarzenegger zu den erfolgreichsten Bodybuildern aller Zeiten zählt. Noch gegenwärtig wird er, besonders von angehenden Kraftsportlern, zum Idol schlechthin glorifiziert. Nicht zu Unrecht, denn bereits im Alter von 19 Jahren wurde er zum, bis heute, jüngsten „Mister Universum“.

Cannabisgegner bezeichnen Arnies steile Sportkarriere oft als eine Art Zufall nach dem Motto: „Trotz Marihuana …“ oder „Wie weit wäre er wohl ohne Cannabis gekommen?“. Dass sein Konsum ihm geholfen haben könnte, die konsequent verfolgten Ziele zu erreichen, scheint dabei keine Option.

NO PAIN, NO GAIN?

Dabei bietet Cannabis mit seiner großen medizinisch wirksamen Bandbreite durchaus Vorteile für Kraftsportler. Bodybuilding bedeutet nicht einfach nur „Sport“. Vielmehr geht es um die wiederholte Muskelkontraktion bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus. Wer hier arrivieren will, kann es sich nicht leisten, wegen Muskelkater im Bett zu bleiben oder es ruhiger angehen zu lassen.

DAS IST KEINE DROGE, DAS IST EIN BLATT! MEINE DROGE WAR ES, GEWICHTE ZU STEMMEN!

Das anspruchsvolle Aufbautraining fordert meist noch lange nach den Trainingseinheiten seinen Tribut: starke Schmerzen, Anspannung, Krämpfe und bei manchen auch Appetitlosigkeit. Obwohl der Körper besonders nach dem Sport auf Nahrung angewiesen ist – auch, um Muskeln aufbauen und regenerieren zu können. Der gesamte Körper befindet sich im Stressmodus, sodass der Sportler trotz völligem Erschöpfungszustand nicht abschalten kann.
Cannabis wirkt schmerzlindernd, muskel- und nervenentspannend, krampflösend, gefäßerweiternd, entzündungshemmend und appetitanregend. Bodybuilder haben durch die extreme Form des Trainings einen enorm hohen Kalorien- und Eiweißbedarf. Die Muskeln benötigen sehr viel mehr „Futter“ als bei einigen andern Sportarten. Ein durchschnittlicher Mann z. B. benötigt ca. 2.400 Kalorien täglich. Der „Stärkste Mann Deutschlands“, Patrik Baboumian, hingegen braucht etwa 6.000, um in Form zu bleiben. Nach den Übungen ist für Bodybuilder besonders die Entspannungsphase nötig, damit Muskeln regenerieren können.

Doch gerade nach harten Trainingseinheiten ist der Körper derart verspannt, dass die dringend benötigte Erholung und der Schlaf oft ausbleiben. Die Muskeln kommen nicht zur Ruhe, der Sportler also auch nicht. Bei beidem kann Cannabis psychisch und physisch wirkend helfen und durch die krampflösenden Eigenschaften wird Muskelkater gelindert. In Studien stellte man fest, dass Cannabis die Regenerationsphasen nicht nur begünstigt, sondern auch beschleunigt.

Durch die gefäßerweiternden Eigenschaften können Muskeln zudem besser mit Nährstoffen versorgt werden. To gain without pain ist also möglich.

MÖGLICHE NACHTEILE

Cannabis hat häufig den Ruf, sich negativ auf die Motivation der Konsumenten auszuwirken. Ob dies jedoch eintritt, hängt neben der gewählten Cannabissorte auch von der Disposition des Sportlers ab.

Regelmäßige Cannabisnutzer, die ihren Körper und ihr Limit kennen, profitieren häufig am meisten. Bei ihnen lässt sich vor allem eine positive psychische Wirkung nach dem Konsum von Cannabis erkennen. Sie fühlen sich wohl in ihrem Körper, sind selbstbewusst, wodurch sie effektiver trainieren und besserer Leistungen erzielen.

IN STUDIEN STELLTE MAN FEST, DASS CANNABIS DIE REGENERATIONSPHASEN BESCHLEUNIGT.

Als weiterer Nachteil wird oft genannt, dass Cannabis den Testosteronspiegel senkt. Testosteron ist für den Muskelaufbau von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang sollte zunächst erwähnt werden, dass diese Beobachtung in erster Linie beim Versuch an Ratten und Mäusen gemacht wurde. Ob beim Menschen die gleiche Wirkung eintritt, ist bisland nicht belegt worden, denn mit Menschen sind bisher keine repräsentativen Studien durchgeführt worden. Bei genauerer Betrachtung wurde aber selbst im Tierversuch lediglich festgestellt, dass der Testosteronspiegel während des Cannabiskonsums abnimmt und sich hinterher wieder normalisiert.

Weiterer Kritikpunkt: Die Auswirkung des Cannabis auf den Cortisolspiegel. Cortisol wird im Körper bei Stress ausgeschüttet, um aus Protein Glucose herzustellen. Das dafür verbrauchte Protein steht dem Körper also nicht mehr für den Muskelaufbau zur Verfügung. Kraftsport stresst den Körper, was zu einer vermehrten Cortisol-Produktion führt. Nach dem Sport sollte der Körper schnell zur Ruhe kommen. Cannabis kann dabei helfen, so dass die Cortisol-Produktion wieder abnimmt und die Proteine wieder für den Muskelaufbau zur Verfügung stehen. Übermäßiger Cannabiskonsum kann aber ebenfalls Stress auslösen, wodurch der Cortisolspiegel steigt.

Ein erfolgreiches Training erfordert daher nicht nur einen angemessenen Trainingsplan, auch die Erholungsphase mit Cannabis muss angemessen erfolgen. Dabei spielt, wie immer, die individuelle Reaktion auf die Wirkung von Cannabis und die Dosis eine Rolle.