LADY CONNECTION

CannaFem ist ein frisch in Berlin gegründetes Netzwerk für Frauen in der Hanf- und Cannabisbranche. Ein junges Gewerbe, und gerade deswegen bietet sich hier für Frauen ein breites Spektrum an beruflichen Möglichkeiten. In den USA haben sie sich längst zusammengetan – wird Zeit, dass es hier auch passiert. Nicht, um Männer auszuschließen, sondern durch einen weiblichen Zugang die Szene zu bereichern.

Das erste offizielle CannaFem-Treffen auf nationaler und internationaler Ebene fand am Vorabend der Hanfmesse Mary Jane statt. Die Sonne hatte den ganzen Tag über das Messegelände direkt an der glitzernden Spree aufgeheizt. Und in der Milchbar, wo sich gegen 20 Uhr die rund 25 Frauen rund um das Cannabis-Business versammelten, mussten alle Fenster aufgerissen werden. Obwohl den meisten noch drei turbulente Messetage bevorstanden, herrschte eine entspannt-effektive Stimmung. Die Branche weiblicher zu machen und die Sichtbarkeit von Frauen und deren Bedürfnisse zu zeigen, das waren die Gedanken hinter dem Netzwerk, wie die Berliner Gründerinnen Katrin Scholz und Janika Takats erklärten. Ende 2016 haben sie CannaFem ins Leben gerufen. Ziel ist es, Frauen eine Plattform zu geben, sich in der Branche zu vernetzen, um Wissen und neue Ideen auszutauschen.

Dabei soll ein geschützter Raum geschaffen werden, in dem Frauen sich wohlfühlen, auch über persönliche Anliegen in Bezug auf Cannabis zu sprechen. Und jetzt schon hat das Netzwerk internationalen Zulauf, wie sich beim Kennlerntreffen herausstellte: USA, Kanada und Brasilien waren in der Milchbar vertreten – deswegen moderierte Mariana Pinzon vom DHV die Veranstaltung zweisprachig. Auffällig war das große Spektrum an Charakteren und beruflichen Hintergründen der Teilnehmerinnen: Textilingenieurin, Schauspielerin, Fotografin, Ärztin, Theologin, Sozialwissenschaftlerin, Politikerin, Lehrerin, Prana-Heilerin, Journalistin trafen aufeinander – manche mit langjähriger Aktivistenerfahrung, manche als Neulinge, aber alle fasziniert von der gesamten Pflanze.

WIR BRAUCHEN FRAUEN, UM DAS GESAMTTHEMA IN DIE GESELLSCHAFT ZU TRAGEN

Wie Frauen ticken

Tags darauf fand im Rahmen der Messe eine Podiumsdiskussion statt, in der vier Vertreterinnen von CannaFem über das Potenzial der Pflanze sprachen – und, welche Rolle Frauen im Business und als Verbraucherinnen von Cannabis und Hanf spielen. Gäste waren „Cannabisärztin“ Dr. Eva Milz, Janika Takats, CannaFem-Gründerin und Chefredakteurin des Magazins in.fused, daneben die Theologin Daniela Kreher, die unter anderem in Lateinamerika als Drogenberaterin gearbeitet hat, und Nicole Nocke, die unter ihrem Label Original Kavatza Tabak- und Cannabistaschen herstellt.

In dem moderierten Gespräch stellten sich schnell die Besonderheit der weiblichen Perspektive auf Hanf- und Cannabisthemen heraus. Takats stellte fest, dass mediale Angebote hierzu bisher überwiegend an Männer gerichtet seien. Frauen fühlen sich nicht angesprochen und werden auch nicht angesprochen. Auch in den Redaktionen der diversen Hanfmagazine überwiege der männliche Anteil, so Takats. Eva Milz bestätigte das Phänomen der Männerdominanz: Vier Fünftel ihrer Cannabispatienten – sie betreut etwa 400 – sind Männer. Das Erstaunliche ist aber, dass es meistens die Partnerinnen oder Mütter sind, die sich erkundigen und die Behandlung mit Cannabis für ihre Söhne oder Partner in die Wege leiten. „Die Frauen kümmern sich um die Termine der Männer“, so die Ärztin. Und sie konnte beobachten, dass Frauen hartnäckiger für Cannabis als Medizin kämpfen und sich weniger abschrecken lassen, wenn Ärzte sie zurückweisen.

Mütter im Cannabusiness

Daniela Kreher weiß aus Erfahrung als Drogenberaterin, dass Frauen mehr als Männer stigmatisiert werden, wenn sie Cannabis konsumieren. Als Mütter noch verstärkt – und wenn sie aus medizinischen Gründen ihre Kinder mit THC behandeln lassen, würden sie meistens auf völliges Unverständnis stoßen. Damit können wenige umgehen, so die Theologin.

Andererseits würden Frauen grundsätzlich weniger von der Polizei kontrolliert – und könnten viel unbehelligter konsumieren. So – außerhalb des Sichtbaren – ändere sich aber der Blick der Gesellschaft auf die Pflanze nicht. Auf dem Weg zu einer als Medizin anerkannten Pflanze, da waren sich die Teilnehmerinnen einig, würden Frauen eine enorm wichtige Rolle spielen. „Wir brauchen Frauen, um das Gesamtthema in die Gesellschaft zu tragen“, merkte Eva Milz an.

Die Mutterthematik griff auch Nicole Nocke auf, die seit vielen Jahren erfolgreich „Tabak- und Kiffertaschen“ und neuerdings eine „Kifferclutch“ herstellt. Mit einer Tochter kurz vor dem Eintritt ins Teenager-Alter wachsen bei ihr die Sorgen der Stigmatisierung. Ihr stelle sich jetzt die Frage, wann und wie sie die Tochter darüber aufklärt, dass ihre Mutter in dieser Branche tätig ist, bevor es jemand anders tut.

Ästhetik statt Budporn

Was Frauen anders machen? „Es entstehen schönere, weniger plakative Produkte“, so die Taschendesignerin. Und sie beschreibt, wie in den USA Cannabistampons im Stil von Tupperpartys unter die Frauen gebracht werden – still und leise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es wäre aber ein größerer Auftritt nötig, um der Frauenperspektive überhaupt mal Gewicht zu verleihen. Janika Takats wünscht es sich und arbeitet daran, dass über mehr Frauen eine „ästhetischere Zugangsweise“ möglich wird – jenseits von Budporn und Kiffermentalität.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum waren es die vereinzelten männlichen Besucher, die sich – sehr wohlwollend – zu der Idee des Netzwerks äußerten. Einer sagte, dass er glaube, Frauen hätten besonderes Potenzial, so ein sensibles Thema in die Gesellschaft zu bringen. Ein anderer fragte, inwiefern man als Journalist etwas für eine weiblichere Perspektive unternehmen könne. Und an noch skeptische Männer, die sich ausgegrenzt fühlen könnten, richtete Nicole Nocke das Wort: „Männer, fühlt euch nicht diskriminiert, unterstützt uns! Dann kommt eine ganz entspannte Frau abends nach Hause“.