Just say know!

„Nein“ ist keine Antwort, wenn es um Fragen zu Drogen geht. Das gilt ganz besonders dann, wenn Kinder das Gespräch mit ihren Eltern suchen. Welche Position ist hier die richtige? Unser Autor ist selbst Vater und Cannabispatient. Hier stellt er vor, was Drogenexperten ihren eigenen Kindern raten.

Die Lebensläufe von Professor Carl L. Hart und Professor David J. Nutt könnten kaum unterschiedlicher sein*. Was die beiden Wissenschaftler eint, ist ihr Interesse für psychoaktive Substanzen aller Art. Auf diesem Gebiet sind sie international anerkannte Experten. Sie plädieren für eine wissenschaftlich fundierte Drogenpolitik anstelle der heutigen Praxis, die ihrer Ansicht nach auf Moral und Wunschvorstellungen basiert.

„Drogen – ohne die heiße Luft“, so hat Nutt sein Buch genannt, in dem er nüchtern über Drogen aufklärt. Nutt und Hart haben eigene Kinder und wissen selbst, wie schwer es ist, Kinder beschützen und gleichzeitig zur Eigenständigkeit erziehen zu wollen.

Basierend auf ihren unterschiedlichen Erfahrungen und aus ihrer jeweiligen Sichtweise heraus haben sie einige Ratschläge für ihre Kinder formuliert.

Ihr Ziel ist es dabei, ihre Kinder so vorzubereiten, dass wenn sie Kontakt mit Drogen haben sollten, das Risiko von Schäden möglichst gering ist.

Keiner von ihnen wünscht sich, dass Kinder Drogen nehmen, aber es lässt sie ruhiger schlafen, wenn sie wissen, dass ihre Kinder für den Fall der Fälle vorbereitet sind.
Das realistische Ziel von Drogenaufklärung ist nicht Abstinenz, sondern Schadensminderung. Ein Hinauszögern der Verzögerung des Konsums (je später im Leben desto besser) kann dabei ein Mittel zum Zweck sein. Drogenkonsum ist älter als die Menschheit, insofern wäre es eher seltsam, keinerlei Drogen zu nehmen.

Drogenkonsum aus Spaß an der Freude ist ebenso okay wie Sex aus Spaß an der Freude. Eltern agieren hier – unabhängig von den eigenen Erfahrungen – mitunter wie katholische Nonnen beim Thema Sexualaufklärung.

HINWEISE VON DAVID NUTT:

Alkohol und Tabak sind ebenfalls Drogen. Ihr Konsum mag alltäglich sein, aber es ist Drogenkonsum, der immer ein gewisses Risiko birgt.

Alle Drogen können schädlich sein. Und alle haben ihre angenehmen bzw. gewünschten Effekte.

Beginne schon in jungen Jahren mit Gesprächen über Drogen mit deinen Kindern und mach dich bereit, über deinen eigenen Konsum zu sprechen.

Man sollte nicht unterschätzen, wie früh Kinder schon Drogenkonsum, z. B. in Filmen und der Werbung, wahrnehmen. In einem Interview mit DIE ZEIT erzählt Nutt aus eigener Erfahrung: „Mein Ältester war 13 Jahre alt und wusste schon eine Menge über Drogen, als ich es angesprochen habe. Im Nachhinein wünschte ich mir, dass ich früher mit ihm geredet hätte, weil er schon einige falsche Vorstellungen von Drogen und ihren Risiken hatte.”

Niemals Drogen injizieren. Dies ist die direkteste und damit gefährlichste Möglichkeit, eine Drogen zu gebrauchen.

Finger weg von Schnüffelstoffen wie Lösungsmittel! In Großbritannien stirbt etwa jede Woche eine Person durch das Inhalieren solcher Stoffe.

Nimm Alkohol nicht mit anderen Drogen zusammen ein. Durch die Kombination von beispielsweise Kokain mit Alkohol entstehen giftige Substanzen, die das Herz schädigen.

Die schlimmste Nebenwirkung ist die Strafverfolgung. Eine Strafanzeige kann dir und den Menschen in deiner Umgebung erheblichen Schaden zufügen und Karrieren ruinieren.

Suche dir zuverlässige Quellen für Rat und Informationen zum Thema Drogen.

Wenn du Drogen gebrauchst, sei dir klar wieso und warum du es tust.

Wenn du Probleme mit Drogen bekommst, suche dir schnell Hilfe und sprich mit deinen Eltern.

Wenn du Drogen nimmst, pass auf, dass deine schulischen Leistungen (und der Rest des Lebens) nicht darunter leiden. Nimmt keine Drogen in die Schule oder in der Schule.

Die Kriminalisierung der Drogenkonsumenten richtet meist mehr Schaden an, als es die Droge selbst täte. – David Nutt

Die Menschen bekommen oft den Eindruck, dass Alkohol und Tabak gar keine echten Drogen sind und dass sie auch nicht wirklich gefährlich sein können. – David Nutt

Alle Drogen sind schädlich, aber nicht alle sind gleich schädlich. – David Nutt

HINWEISE VON CARL HART:

„Für Menschen, die wie mein Sohn aussehen, ist die Polizei eine größere Bedrohung als die Drogen selbst.“ Auch wenn es in Deutschland keine Vorfälle wie in Ferguson gab, Racial Profiling ist in Deutschland Alltag.

Die Folgen einer Strafanzeige können für Menschen, die im Alltag von Rassismus betroffen sind, besonders schwerwiegend sein.

Die Zusätze und Streckmittel in einigen Drogen sind weitaus gefährlicher als die Droge selbst. Die Qualität der Droge und das Vertrauen in die Quelle sind wichtig, um gefährliche Mischungen zu vermeiden.

Unerfahrene Konsumenten sollten sich nicht einfach am Vorbild Erfahrener orientieren. Je mehr Erfahrungen ein Konsument besitzt, desto eher kann er mir riskanten Konsumformen wie dem Spritzen oder auch dem Rauchen umgehen. Er/sie kennt die Wirkung der Substanzen und kann eher einschätzen, wie hoch die Substanz dosiert werden kann. Diese Konsumenten weisen eine Toleranz gegenüber den Nebenwirkung auf und vertragen höhere Dosierungen. Unerfahrene Konsumenten sollten Drogen eher über den Mund einnehmen und ihre Dosierung im Zweifel immer nach unten anpassen.

Egal welche Drogen man nimmt, egal ob sie legal oder illegal sind, man sollte auf ein gesundes Schlafverhalten achten. Ausreichend Schlaf ist Grundlage für ein gesundes Leben. Egal ob Koffein oder Amphetamin, man kann Müdigkeit nur vorübergehend verdrängen, aber keinen Schlaf ersetzen. Auch wenn gerade der Gebrauch von Aufputschmitteln dazu einlädt, immer weiter zu machen, unterm Strich ist die Leistungsbilanz schlechter und ungesünder, je weniger man schläft.

Einige Kombinationen von Drogen sollte man vermeiden, weil sie besonders risikoreich sind. Gewarnt wird oft vor der Kombination aus Beruhigungsmitteln wie Diazepam und Opiat-Schmerzmitteln. Sehr viel relevanter weil verbreiteter ist die Kombination von Alkohol mit anderen Drogen. Kaum eine Überdosierung kommt ohne eine dieser Substanzen aus. Sobald man mehr als eine Substanz zur gleichen Zeit nimmt oder irgendeine Substanz mit Alkohol konsumiert, sollte man besonders vorsichtig sein. Dies meint auch Medikamente, die ebenfalls in Kombination unerwartete Nebenwirkungen haben können.

Persönliche Ergänzung: Nicht nur die Kombination von beruhigenden Substanzen kann gefährlich werden. Alkohol – besonders die Fähigkeit, immer weiter zu trinken – ist das Gefährlichste an Amphetaminen.

Das größte Risiko ist, dass unsere Kinder uns irgendwann nicht mehr glauben, wenn wir sie über Suchtverhalten aufk lären wollen. – Carl Hart

CARL L. HART: DROGEN UND RASSISMUS

Hart (*1966) wuchs in einem der Armenviertel von Miami auf und schaffte es nur mit viel Glück aus dem Ghetto raus – im Gegensatz zu vielen Kindern aus seiner Nachbarschaft, die Drogen, Gewalt und Kriminalität zum Opfer fielen. Inzwischen ist der Afroamerikaner mit dicken Dreadlocks ein angesehener Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Columbia University. In seiner Autobiografie „High Price“ schreibt er offen über seine Erfahrungen mit Drogen, Rassismus und Armut.

Gerade in den USA, aber nicht nur dort, ist Rassismus ein zentrales Element der repressiven Drogenpolitik. Die Tötung von Trayvon Martin und die Ereignisse in Ferguson kurz nach Erscheinen des Buchs zeigten in tragischer Weise die Aktualität dieses Themas. Sechs Tage nachdem der Mann, der Trayvon Martin erschossen hatte, freigesprochen wurde, sagte der damalige Präsident Barack Obama: „Als Trayvon Martin erschossen wurde, habe ich gesagt, er könne mein Sohn sein. Ein anderer Weg das zu sagen, ist: Auch ich hätte Trayvon Martin sein können, vor 35 Jahren.“

DAVID J. NUTT: DARF MAN DIE GEFAHREN VON DROGEN MESSEN?

Nutt (*1951) ist Brite und konnte für seine Ausbildung zum Mediziner von Anfang an die besten Einrichtungen seines Landes besuchen. Er zählt zu den führenden Köpfen der Neuropsychopharmakologie und war als Berater der britischen Regierung tätig.

Sein Zugang zum Thema Drogen ist der eines Wissenschaftlers, für den nur Fakten zählen. Das Beharren auf Fakten machte ihn als obersten Drogenberater der britischen Regierung untragbar und man warf ihn raus.

Bemerkenswert sind insbesondere seine Arbeiten zur Bewertung von unterschiedlichen Risiken psychoaktiver Substanzen.