IN DER REGEL GRAS

So wirklich feiern tun sie wenige: die Menstration.Was bei jeder dritten Frau dazugehört, sind- manchmal massive- Beschwerden. Cannabiszäpfchen scheinen besser zu helfen als die gängigen Mittel. In den USA sind sie jedenfalls der Renner.

Ein bis zwei Wochen vor der Monatsblutung, also in der 2. Zyklushälfte, berichten viele Frauen von verschiedenen Beschwerden, die in der Medizin unter PMS (prämenstruelles Syndrom) zusammengefasst werden. Darunter fallen körperliche Symptome wie Rücken- und Kopfschmerzen, Unterleibskrämpfe, „abnormales“ Essverhalten wie Appetitlosigkeit – oder das Gegenteil: Heißhunger. Auch Ödeme, Dyspareunie (Schmerzen beim Sex), Verspannungen, Verdauungsprobleme, Mastodynie (Spannungsgefühl in den Brüsten) können dazugehören. Zudem fassen Psychiater eine Reihe psychischer Veränderungen zusammen, darunter Schlafstörungen, Angstzustände, Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen usw.

Die Symptome sind so verschieden wie auch die Frauen und können sich je nach Alter und Lebenssituation verändern. Besonders wenige Tage vor der Menstruation verstärken sich die Probleme oft. Woher sie stammen und warum sie überhaupt auftreten, ist bis heute nicht belegt. Man geht davon aus, dass sie mit den natürlichen hormonellen Schwankungen während des Zyklus auftreten und bei Einsetzen der Monatsblutung wieder verschwinden. Positive bzw. negative Auswirkungen haben aber auch Stress, Ernährung, Sport und Alkohol.

VEGANE ERNÄHRUNG KANN HELFEN

Der Markt ist geradezu überschwemmt von Produkten, die gegen die Leiden helfen oder sie wenigstens unterdrücken sollen, damit die Frau schnell wieder gesellschaftlich adäquat agieren kann. Es gibt Schmerzmittel, Hormonpräparate, Antidepressiva und andere Medikamente, die teilweise stark in den Organismus eingreifen. Ob nun Unverträglichkeiten, unerwünschte Nebenwirkungen oder das grundsätzliche Ablehnen schulmedizinischer Mittel: Manchen wird bisher nicht geholfen.

Eine Anpassung des Lebensstils, qualitativer und ausreichender Schlaf, Ruhephasen, freundliche Wesen um sich herum (Menschen und Tiere), gesundes, aber auch mal sündiges Essen, ein geregelter Alltag, Sport (z. B. Yoga) etc. bewirken häufig die größten Verbesserungen. In „Vegan for Her“ beschreibt die US-Diätologin Virginia Messina: Eine vegane Ernährung kann PMS signifikant lindern. „Im Zuge der Studie zeigte sich, dass das prämenstruelle Syndrom und die Krämpfe zurückgingen, wenn die Teilnehmerinnen sich fettarm und vegan ernährten. Das könnte mit dem höheren Ballaststoffgehalt von pflanzlichen Lebensmitteln zusammenhängen, die offenbar die Regulation der Östrogenlevel unterstützen“, so Messina. Veganerinnen nehmen zudem tendenziell mehr Magnesium zu sich als andere. Vitamin B6 scheint ebenfalls eine erleichternde Wirkung zu haben. „Schlussendlich ist es möglich, dass auch Sojaprodukte bei PMS-Symptomen helfen könnten. Allerdings gibt es auf diesem Feld kaum Forschungsergebnisse“, erklärt Messina weiter.

PERIODISCHER GRUSS

Kaum sind die Auswirkungen der PMS überstanden, folgt die Monatsblutung. Krämpfe, Schmerzen oder ein unangenehmes Tragegefühl von Binden und Tampons sind nur einige der Begleiterscheinungen. Durch die ständige Fixierung auf „Hygieneprodukte“ verlieren einige Frauen die natürlichen Funktionen des Körpers aus den Augen. Während der Menstruation erneuert der Organismus die Gebärmutterschleimhaut. Diese wird dabei als zähflüssiges Blut ausgeschieden. Unter Umständen entstehen Schmerzen, die durch Druck auf den Muttermund und angestautes Blut ausgelöst werden. Besonders Tampons verhindern, dass es richtig abfließen kann, was wiederum zu Schmerzen führt.

Auch dagegen nehmen viele Mittel ein. Wem weder Wärmflaschen noch das Senken des allgemeinen Stresslevels helfen, kann auch bei diesen Beschwerden die Ernährung umstellen. Viele der weiblichen „Challenger“ von Vegankochbuchautor Attila Hildmann gaben an, dass bereits nach einem Monat des Veganseins die Menstruationsbeschwerden deutlich zurückgingen oder verschwanden.

FREIE MENSTRUATION

Ebenfalls helfen könnte auch die Umstellung von Tampons auf sogenannte Moon Cups. Diese werden meist aus antibakteriellem medizinischen Silikon hergestellt, sind umweltfreundlich, kostengünstig, trocknen nicht aus und können nicht das toxische Schocksyndrom auslösen. Anfängerinnen sollten dabei immer mit der kleinsten Größe anfangen. Erfahrenere Frauen oder solche, die bereits ein Kind geboren haben, können auch größere Größen wählen.

Eine weitere Option ist die „Freie Menstruation“. Hierbei werden keine aufsaugenden Produkte verwendet. Über die Beckenbodenmuskulatur kann mit etwas Übung das Blut gezielt abgelassen oder zurückgehalten werden, wie auch der Urin. Das ist eine Art „verlernte“ Körperfunktion, die sich aber rein theoretisch jede Frau wieder antrainieren kann.

Interessant: Während der Menstruation verliert eine Frau durchschnittlich gerade einmal eine halbe Tasse Blut.

GIBT‘S DA NICHT AUCH WAS MIT CANNABIS?

Cannabis kann sowohl bei psychosomatischen als auch bei körperlichen Symptomen, die mit PMS oder der Menstruation einhergehen, gute Dienste leisten. Die krampflösende, beruhigende, schmerzstillende und stimmungsaufhellende Wirkung der Pflanze ist bereits hinlänglich bekannt. Viele Frauen haben bisher gerne auf Joints oder cannabisierte Lebensmittel zurückgegriffen, um ihre Beschwerden zu lindern.

Ein amerikanischer Hersteller hat nun verschiedene lokal wirksame Präparate mit THC- und CBD-Wirkstoff entwickelt, die sich innerhalb kürzester Zeit zu einem regelrechten Bestseller entwickelt haben. Besonders Cannabiszäpfchen sind beliebt. Die Entwickler kreierten sie, „um die muskelentspannenden und schmerzlindernden Eigenschaften von Can- nabis zu maximieren, ohne dabei eine psychotrope Wirkung hervorzurufen“, heißt es auf der Website.

Die Hersteller mussten immer wieder erklären, warum sie ausgerechnet Cannabis einsetzen. „Cannabis hat eine lange interkulturelle Geschichte als natürliches Hilfsmittel zur Erleichterung von menstruationsbedingten Beschwerden. Unsere Absicht ist es, die starken medizinischen Eigenschaften dieser Pflanze zu nutzen, wobei wir moderne Extraktionstechnologien verwenden, um eine standardisierte Reinheit und Wirkung zu erhalten, die gleichzeitig eine sichere und zugängliche Erfahrung für alle Frauen darstellt“, erklären sie.

WIRKUNG SETZT NACH 20 MINUTEN EIN

Menschen, die die Zäpfchen bereits getestet haben, berichten mehrheitlich von bemerkenswerten Ergebnissen. Besonders jene, die sich bisher mit ihren Beschwerden alleingelassen fühlten, schreiben, dass die Zäpfchen ihr gesamtes Leben regelrecht verändert hätten. Im Schnitt wirken sie bereits nach ca. 20 Minuten – für mehrere Stunden.

Die Zusammensetzung der „Wundertüten“ ist sehr schlicht gehalten, was sie besonders gut verträglich macht. Lediglich Fairtrade-Kakaobutter, THC-Öl und Vollspektrum-CBD-Öl aus biologisch angebautem Hanf sind enthalten. Sie können vaginal oder auch rektal verwendet werden und sind keineswegs nur etwas für Frauen.

Auch bei Erkrankungen der Prostata, besonders bei Krebs, oder wenn die orale Aufnahme von Medikamenten, z. B. bei Hals- oder Kieferverletzungen oder Übergeben nicht möglich ist, kann gut auf die Zäpfchen zurückgegriffen werden. Auch bei Rückenschmerzen, egal ob der Grund dafür PMS oder etwas anderes ist, eignet sich die rektale Anwendung.

IN DEUTSCHLAND NICHT ERHÄLTLICH

Während der Menstruation können die Zäpfchen vaginal zusätzlich zu Tampons verwendet werden. Zuerst kommt das Zäpfchen, dann der Tampon. Da die Kakaobutter ab 26° Grad schmilzt, sollten nicht verwendete Zäpfchen im Kühlschrank lagern. Laut Hersteller erfährt die Mehrheit der Konsumentinnen keine Rauschzustände. Dennoch hinterlassen die 60mg THC und 10mg CBD pro Zäpfchen natürlich Spuren im Blut.

Derselbe amerikanische Hersteller führt in seinem Sortiment neben den Zäpfchen auch ein ebenfalls verschreibungspflichtiges Cannabis-Gleitgel. Frauen, die Moon-Cups verwenden, können das Gleitgel wunderbar als Einführhilfe nutzen. In Deutschland sind die Zäpfchen aktuell noch nicht erhältlich und selbst in den USA sind sie rezeptpflichtig, genauso wie das Gleitgel. Menschen, die nicht darauf warten wollen, bis der Trend auch bei uns angekommen ist, können sich sowohl Zäpfchen als auch Gleitgel zuhause selbst anrühren.

GLEITGEL MIT CANNABIS
(besonders gut auch bei Dyspareunie geeignet)

ZUTATEN:

  • CA. 230 GRAMM KOKOSNUSSÖL
  • DECARBOXYLIERTES* CANNABISPFLANZENMATERIAL ODER BLÜTEN
  • 1 EL FLÜSSIGES SONNENBLUMEN- LECITHIN

Herstellung:
1 Das Öl, die Blüten und das Lecithin vermengen und bei geringer Temperatur in einem geschlossenen Topf (am besten ist ein Schongarer) erhitzen. Dabei sollte das Ölgemisch nicht kochen. Ab und an umrühren. Das Ganze für vier Std. köcheln lassen. Je länger die Blüten ihre Cannabinoide in das Öl abgeben, desto stärker wird das Gel.
2 Eine kleine Menge der Mischung sollte auf dem Arm oder an einer anderen weniger empfindlichen Stelle getestet werden. Nach ca. 45 Minuten müsste die Wirkung einsetzen. Diese kann sich bei jedem anders zeigen. Einige Nutzer beschreiben regelrechte „lokale Highs“, andere nehmen ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl wahr. Die Pflanzenteile nach dem Abkühlen heraussieben.

Das fertige Gel kann in ein passendes verschließbares Gefäß oder in eine kleine Sprüh- oder Pumpflasche gefüllt und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Es sollte nicht zusammen mit Kondomen verwendet werden, da Öl Latex angreift und porös macht. Eine Alternative, die es auch in Deutschland frei zugänglich und ohne Rezept gibt, sind rein auf CBD basierende Produkte. Darunter auch Zäpfchen und Nahrungsmittel.

ZÄPFCHEN MIT CANNABIS

ZUTATEN:

  • 115 GRAMM KAKAOBUTTER
  • 60 MILLILITER KOKOSNUSSÖL
  • DECARBOXYLIERTES* CANNABIS JE NACH EMPFEHLUNG DES ARZTES

Herstellung:
1 Das Kokosnussöl zusammen mit dem decarboxylierten Cannabis in ein Einweckglas geben. Das Glas verschließen und für eine Stunde in ein warmes (nicht kochendes) Wasserbad geben. Danach abkühlen lassen und über Nacht in den Gefrierschrank legen. Am nächsten Tag das Glas aus dem Gefrierschrank holen, auftauen lassen und wieder in ein warmes Wasserbad legen, bis es einmal durchgewärmt wurde. Anschließend filtern oder durch ein Sieb gießen, um Pflanzenreste zu entfernen.
2 Die Kakaobutter schmelzen, bis sie komplett flüssig ist. Anschließend das Cannabis-Kokosöl dazugeben und gründlich mischen. Die Mischung in eine Form gießen (Süßigkeiten- oder Eiswürfelform, es gibt auch spezielle Zäpfchenformen im Handel zu kaufen) und abkühlen lassen. Fertig!

Um die richtige Dosierung zu ermitteln, kann erst einmal nur ein Stück des Zäpfchens verwendet werden. Tritt nach 20 Minuten keine Wirkung ein, kann ein weiteres Stück zum Einsatz kommen. Auf diese Weise langsam die richtige Menge ermitteln. Die Cannabis-infundierten Kakaobutterstückchen können auch wie Sportsalben, beispielsweise bei Rücken- oder Muskelschmerzen, auf die Haut gerieben werden.

  • DECARBOXYLIERUNG
    Das Cannabis muss vor der Verarbeitung auf ca. 110 ° Grad erhitzt werden, wenn die psychoaktive Wirkung des THCs erzielt werden soll. Dabei wird THC-A in THC umgewandelt. Dies ist für die schmerzlindernde Wirkung und für die psychoaktiven Effekte mitverantwortlich. Das Material hacken, in ein Glas mit Schraubverschluss geben und für eine Stunde in ein köchelndes Wasserbad stellen. Danach weiterverarbeiten.