Homöopathie

Bei der Homöopathie scheiden sich die Geister. Unumstritten ist aber, dass Cannabis von Anfang an eine Rolle bei der homöopathischen Behandlung spielte und dies bis heute tut.

Im Gegensatz zu vielen anderen Mitteln verblieben Cannabis sativa und Cannabis indica auch im homöopathischen Arzneischatz des 20. Jahrhunderts. Es gab wohl nur wenige Homöopathen, die diese Medikamente nicht anwandten und schätzten. – MANFRED FANKHAUSER, HASCHISCH ALS MEDIKAMENT, 2002

Die Homöopathie spaltet die Menschen in zwei Lager wie kaum eine andere Therapieform. Die einen schwören auf die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel, andere sehen in der außergewöhnlichen Behandlungsmethode mit Medikamenten ohne nachweisbare Wirkstoffe einen großen Betrug, der insbesondere aufgrund des Wunschdenkens seitens der Patienten seine wie auch immer gearteten medizinischen Effekte entfaltet. Solche Kritiker der Homöopathie unterstellen also höchstens den Placeboeffekt als wirksames Prinzip der Therapie. Unabhängig von der Grundsatzdiskussion um homöopathische Medikation wollen wir einen Blick auf das umfangreiche Spektrum an Krankheiten, Leiden und Symptomen werfen, die mit Hanf als Homöopathikum behandelt werden.

Eines der Prinzipien der Homöopathie geht davon aus, dass die rein energetische Qualität eines arzneilich wirksamen Moleküls ebenso von pharmakologischer Wirksamkeit geprägt ist wie die Einnahme der eigentlichen Substanz in „normalen“ Dosen. Also allein ein Hauch des Geistes einer chemischen Substanz vermag eine Wirkung zu entfalten, die zwar nicht instrumentell messbar, dafür aber wirksam ist. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist die Wissenschaft aufgrund mannigfaltiger Erkenntnisse und Erfahrungen davon abgekommen, Homöopathie als esoterische Heilslehre abzuwerten.

Kurze Definition der Begriffe

In der Homöopathie werden immer wieder spezielle Fachbegriffe bemüht. Zunächst ist da die Rede von Urtinkturen. Das sind die zu verwendenden Grundstoffe, die arzneilich wirksamen Prinzipien also, die in homöopathischen Potenzen gelöst und verdünnt werden. Diese Verdünnungen werden fachsprachlich als Dilutionen bezeichnet. Manche Quellen geben an, dass diese Dilutionen namensgebend für die sogenannten D-Potenzen seien. Dies ist nicht korrekt. In Wirklichkeit bezeichnet eine D-Potenz ein homöopathisches Arzneimittel, das in einer Verdünnung von 1 zu 10 hergestellt wird. Entsprechend handelt es sich bei Verdünnungen von 1 zu 100 um C-Potenzen und bei Verdünnungen von 1 zu 50.000 um LM- bzw. Q-Potenzen. Dies sind die drei gängigen Verdünnungsverhältnisse in der Homöopathie: D (Dezimalpotenzen), C (Centesimalpotenzen) und LM bzw. Q (Quinquaginta-Millesimal-Potenzen).

Homöopathisches Cannabis

Der Kulturhanf Cannabis sativa war eines der ersten Homöopathika überhaupt. Der Begründer der homöopathischen Lehre, der Mediziner Samuel Hahnemann (1755–1843), befand bereits 1797, dass Cannabis eine wirksame Medizin ist, die durchaus größerer Beachtung wert sei. Er ordnete den Hanf den natürlichen homöopathischen Pharmaka zu.

Schauen wir uns nun die Charakteristik des Pharmakons an und damit, wie Cannabis wirkt und welche Symptome damit in der Homöopathie behandelt werden. Die allgemeine homöopathische Literatur verzeichnet Gonorrhö, diverse mentale Symptome, Schwindel und Harnwegserkrankungen als Indikationen für Cannabis-Potenzen. Karl Stauffer berichtete 1955 in seinem Werk „Klinische Homöopathische Arzneimittellehre“, dass homöopathisches Cannabis u. a. bei starken Stimmungsschwankungen, Irritationen des Nervensystems und klopfenden Halsschlagadern helfen kann. Damit sind allerdings bei Weitem nicht alle Anwendungsgebiete umrissen, die (heute) bekannt sind. Ganz davon abgesehen wird in der homöopathischen Pharmakopöe nur selten allgemein von Cannabis gesprochen, sondern meist von Präparaten zweier verschiedener Hanfspezies.

Indica vs. Sativa

In der Homöopathie wird zwischen Cannabis indica und Cannabis sativa unterschieden, obwohl vonseiten der frühen Homöopathen die Auffassung vertreten wurde, dass sich die beiden Mittel sehr ähnelten, weswegen sie häufig gegeneinander ausgetauscht wurden. Heute ist man von ihrer Verschiedenheit überzeugt: „Tatsächlich unterscheiden sich die Arzneimittelbilder bzw. Leitsymptome beider Arten erheblich“, schreibt Christian Rätsch in seinem Buch „Hanf als Heilmittel“. Dabei setzt die Homöopathie Cannabis indica bei folgenden Symptomen ein: „u. a. bei Asthma, Impotenz, Appetitlosigkeit, sexueller Erschöpfung, Alpträumen und Nervenleiden.“ Weiter heißt es: „Das homöopathische Heilmittel Cannabis indica wird hauptsächlich als Urtinktur und in niedrigen Potenzen verwendet. Die Urtinktur wird aus reinem Harz (Haschisch) und Alkohol gewonnen. Cannabis sativa wird u. a. bei gestörtem Urinverhalten, Erkrankungen der Harnwege und Problemen der Atemwege sowie bei Schluckstörungen, Stottern und Verwirrtheitszuständen appliziert. Das homöopathische Mittel Cannabis sativa wird dabei meist durch die alkoholische Extraktion der frischen Pflanze gewonnen.

Unterm Strich lässt sich festhalten, dass homöopathische Cannabis-Potenzen zudem bei der Linderung von Beschwerden bei Zytostatika-Therapie (Übelkeit und Erbrechen), bei der Linderung bzw. Auflösung von Spastizität bzw. Muskelspasmen, bei Bewegungsstörungen, bei der Senkung des Augeninnendrucks (zum Beispiel bei der Behandlung eines Glaukoms, der auch mit der natürlichen Pflanze therapiert werden kann), bei der Förderung der Herzdurchblutung, beim Einsatz in der Schmerztherapie, bei der Stärkung des Immunsystems, bei der Verbesserung von Drüsenfunktionen, bei der Zellkernteilung sowie bei Drogenabusus und -entzug nützlich und hilfreich sind bzw. sein können. Aus den Samen von Cannabis sativa wird heutzutage nach den Vorschriften des „Homöopathischen Arzneibuches“ (HAB) ein legales Homöopathikum hergestellt. Allerdings kommen die in der Hanfpflanze anwesenden und heilkräftigen Cannabinoide – allen voran THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) – in diesem Fall nicht ins Spiel, weil jene in den Samen der Cannabispflanze nicht vorhanden sind.

Cannabis-Homöopathie in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Bis zur Änderung des Betäubungsmittelgesetzes im März 2017 wurde Cannabis als illegale Substanz eingeordnet, die nicht verschreibungsfähig war. Dies galt auch für homöopathische Cannabispräparate aus THC-reichem Hanf, obwohl in den Potenzen keinerlei Cannabinoide nachweisbar sind. Die Gesetzeslage hat sich inzwischen geändert und Cannabis kann als Medikament verschrieben werden. Wie es um die arzneiliche Verwendung von Cannabis-Homöopathie steht, wurde bislang allerdings noch nicht weiter diskutiert. In Österreich und in der Schweiz gelten nach wie vor andere Gesetze. Dort wurde Cannabis noch nicht als regulär verordnungsfähiges Medikament eingestuft. In Österreich gelten Zubereitungen und Hanfprodukte, die einen THC-Wert von 0,2 Prozent nicht überschreiten, als legal, in der Schweiz sind Hanfsorten mit einem THC-Gehalt bis zu 1 Prozent erlaubt. Hier ist als eine arzneiliche Verwendung zulässig, wenn ein psychischer Effekt ausgeschlossen ist, wie es bei einer homöopathischen Verwendung der Fall ist.

Das Prinzip der Homöopathie

Das Anwendungsprinzip der von Samuel Hahnemann geprägten Homöopathie lautet: Gleiches mit Gleichem heilen bzw. Ähnliches mit Ähnlichem behandeln. Dazu bedient man sich in der Homöopathie der sogenannten Leitsymptome einer Erkrankung und sucht dann arzneiliche Mittel, die in unverdünntem Zustand die Symptome hervorrufen, die beim Patienten therapiert werden sollen. Die zu verwendenden Arzneimittel werden dann in unterschiedlichen Potenzen verdünnt – meist bis kein Wirkstoff im Arzneimittel mehr nachweisbar ist –, um schließlich den Patienten damit zu behandeln. Auf der Internetseite homoeopathie-heute.de findet sich folgende Erläuterung zum Grundprinzip der Homöopathie: „Durch gezielte Reize soll der Organismus zu einer Reaktion bewegt werden, die Selbstheilungskräfte werden angeregt. Ziel ist nicht nur eine Linderung der Beschwerden. Darüber hinaus sollen auch die gestörten ‚Funktionen im Organismus, die Krankheitssymptome verursachen, positiv beeinflusst werden. Die Gesamtkonstitution des Patienten kann so gestärkt werden. Die Homöopathische Medizin orientiert sich nicht nur am Befund, sondern auch am Befinden des Patienten.“