DAS POTENZIAL VON CBD!

Der bekannteste Wirkstoff der Hanfpflanze neben Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC, „Dronabinol“) ist Cannabidiol. CBD unterliegt nicht den strengen Regelungen, die für Cannabis und THC gelten.

Daher findet CBD eine breite praktische Verwendung durch Patienten, Mediziner, Forscher und Pharmafirmen.

CBD gehört wie THC zu den Phytocannabinoiden und kommt ausschließlich in Pflanzen der Gattung Cannabis vor. Der Anteil beider Stoffe ist antiproportional: Durch die Steigerung des THC-Gehalts steckt in den THC-reichen Sorten quasi kein CBD mehr. CBD ist dagegen in den meisten THC-armen „Nutzhanf“-Sorten enthalten. Der CBD-Gehalt ist nicht, wie oft angenommen, von der Art der Hanfpflanze („Sativa“ oder „Indica“) abhängig.

Heutzutage wird CBD als Rohstoff zur Weiterverarbeitung aus Nutzhanfsorten extrahiert. Beispielsweise enthält die EU-Sorte „Fedora 17“ 1 Prozent CBD. Nutzhanf kann im großen Maßstab von Landwirten angebaut werden. Dafür ist lediglich eine Registrierung erforderlich. Innerhalb der EU wird Nutzhanf für die CBD-Gewinnung in zahlreichen Ländern, darunter auch in Deutschland, angebaut. Die geernteten Blüten werden dann entweder direkt vermarktet, in CBD-reiche Extrakte konzentriert oder es wird daraus reines CBD-Isolat gewonnen. Letzteres wird unter anderem in Lebensmitteln, Kosmetik, Nahrungsergänzungsmitteln oder Arzneimitteln genutzt.

Die Beschaffung und der Gebrauch von CBD gestalten sich wesentlich einfacher, denn CBD ist im Gegensatz zu THC nicht in den internationalen Drogenverträgen aufgeführt und in den meisten nationalen Drogengesetzen nicht gelistet. Daher sind Zugang und Nutzung rechtlich sehr viel leichter möglich. Die Gewinnung ist zudem um einiges kostengünstiger.

Die Wirkung auf den menschlichen Körper

CBD wirkt psychoaktiv, aber nur schwach und deutlich anders als THC. Es erzeugt kein „High“, wie man es von THC-haltigem Cannabis kennt und wirkt diesem Gefühl sogar entgegen. Das in Europa inzwischen überwiegend konsumierte THC-reiche Marihuana enthält oft kaum CBD, während traditionelles Haschisch meist einen höheren CBD-Anteil aufweist. Entsprechend unterschiedlich ist die Rauschwirkung. Der normale Hanfnutzer kennt keine reine CBD-Wirkung, sondern nur die Kombination aus THC mit mehr oder weniger CBD. Durch seine antipsychotische Wirkung und die Hemmung bestimmter THC-Wirkungen reduziert CBD das Risiko von cannabisinduzierten Psychosen sowie Schizophrenie. Damit sind CDB-reiche Sorten auch als Genussmittel tendenziell weniger riskant.

Medizinisch angewendet wirkt CBD anti-psychotisch, angstlösend und hilft gegen körperliche Spannungen oder Krämpfe. Die wichtigsten Indikationen für CBD sind Epilepsie und die Gruppe der chronisch-entzündlichen Erkrankungen (Arthritis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Asthma). Weitere Indikationen, bei denen CBD helfen kann, sind Schlafstörungen, Entzündungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Bewegungsstörungen und Krämpfe.
Die medizinische Wirkung von CBD – oder anderen Cannabis-Wirkstoffen – ist kaum erforscht. Die genannten Diagnosen basieren auf den wenigen klinischen Studien in diesem Bereich und umfangreichen Erfahrungsberichten von Patienten und deren Ärzten. Versuche mit Zellen in der Petrischale, Tierexperimente oder Einzelfallbeschreibungen können allenfalls Hinweise auf eine Wirkung liefern. Solide Informationen wie sie bei vielen Medikamenten vorliegen, liefern sie nicht.

Konkret eingesetzt und erforscht wird CBD insbesondere bei Epilepsie. Neben den eigentlichen Epilepsieerkrankungen gibt es auch andere Erkrankungen, die epileptische Anfälle als Symptom mit sich bringen und die sich mit CBD lindern lassen. Ebenfalls erforscht wird der Einsatz von CBD und seiner antipsychotischen Wirkung bei Patienten mit einer Schizophrenie-Erkrankung. Zusätzlich wird das Potenzial von CBD zur Reduktion des Risikos, an Diabetes zu erkranken, untersucht. Man weiß, dass Cannabis hier eine präventive Wirkung hat und CBD könnte eine Erklärung dafür sein.

Die Nebenwirkungen von CBD im Vergleich zu THC oder anderen Medikamenten sind minimal. Es gibt einige Diagnosen, bei denen CBD sehr deutlich helfen kann und bei denen die konventionellen Arzneimittel heftige Nebenwirkungen verursachen oder oft unwirksam sind. Das Paradebeispiel ist der Einsatz bei Kindern mit Epilepsie, hier existieren sehr eindrucksvolle Berichte der Eltern, die durch CBD neue Hoffnung für ihre Kinder gefunden haben.

Die medizinische Verwendung

CBD steht Patienten als Rezepturarzneimittel mit reinem CBD, als standardisiertes Extrakt oder unverarbeitet als Cannabisblüten direkt zur Verfügung. Medizinisch lassen sich die unterschiedlichen Sorten in zwei Typen mit einem relevanten CBD-Gehalt unterteilen. Der Typ „CBD“ enthält nur CBD (7 bis 15 Prozent), der THC-Gehalt liegt knapp über 0 Prozent. Zudem gibt es den Typ „CBD=THC“ mit einem Wirkstoffgehalt beider Cannabinoide von 6 bis 10 Prozent. Durch die derzeit begrenzte Auswahl von Cannabissorten in der Apotheke ist die Anzahl an Sorten, die den beiden genannten Typen entsprechen, gering.

Ein gewisser CBD-Anteil im medizinischen Cannabis kann auch ohne direkte therapeutische Wirksamkeit sinnvoll sein, um die Nebenwirkungen des THC zu mindern. Im Allgemeinen schadet zusätzliches CBD bei der Therapie nicht. Eine Sonderrolle nimmt die Behandlung von Appetitlosigkeit ein. Hier hemmt CBD die appetitanregende Wirkung des THC. Diese kann jedoch, gerade bei der Linderung der Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie, ein gewollter Effekt sein.

Da bei Cannabis die eingesetzte Dosis oft durch die Stärke der Nebenwirkungen bestimmt wird, kann es hilfreich sein, zusätzlich CBD einzunehmen, um die Dosis schneller erhöhen zu können. Aber CBD ist nicht ohne Nebenwirkungen. Klinische Studien zum Medikament „Epidiolex“, einem CBD-reichen Cannabisextrakt, haben diese erforscht. Jeder zweite Proband, der das Mittel einnahm, klagte über Benommenheit und Müdigkeit. Weitere Nebenwirkungen, die beobachtet wurden, waren sowohl Steigerung als auch Reduktion von Appetit und Gewicht sowie Durchfall.

Das Besondere an diesen Studien und den Erfahrungsberichten aus den USA ist, dass es sich bei den Patienten um Kinder mit Epilepsie handelte. Diese Kinder haben CBD trotz möglicher Risiken erhalten. Dass diese Studien genehmigt wurden und Eltern ihren Kindern CBD-Tropfen gaben, lag daran, dass Epilepsie eine schwere, teilweise lebensbedrohliche Erkrankung ist. Die Nebenwirkungen der üblichen Medikamente sind stark.

Zudem gibt es einen hohen Anteil an Patienten, bei denen die Medikamente nicht oder kaum wirken. Diese Kombination rechtfertigte, gewisse Risiken einzugehen. Bei anderen Diagnosen sieht diese Nutzen-Risiko-Bewertung jedoch anders aus. Ein leichtfertiger Einsatz von CBD ohne fachkundige Beratung, gerade bei Kindern, ist verantwortungslos.

Über die möglichen Langzeitfolgen von CBD bei Kindern sagen diese Studien und die bisherigen Erfahrungen nichts aus. Besondere Vorsicht ist beim Einsatz von hochdosiertem CBD in Kombination mit anderen Medikamenten angebracht. CBD kann den Abbau dieser Stoffe hemmen und damit ihre Wirkung massiv steigern.

Die Verfügbarkeit von CBD

Seit 2014 ist CBD als Rezepturarzneimittel in Form einer öligen Lösung in Apotheken erhältlich. Am Anfang gab es nur wenige spezialisierte Apotheken, die CBD-Rezepturen hergestellt haben. Inzwischen ist CBD im NRF (Neues Rezeptur-Formularium), dem „Kochbuch“ der Apotheker, aufgeführt und sollte daher von jedem Apotheker hergestellt werden können. Andere Konzentrationen oder die Herstellung von Kapseln mit dem CBD-Öl sind ebenfalls möglich.

CBD als Arzneimittel ist verschreibungspflichtig. Im Gegensatz zu Cannabisblüten oder anderen Cannabismedikamenten fällt es aber nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Damit kann jeder Arzt CBD verschreiben. Hier gibt es für CBD eine besondere Situation. Nach dem neuen Gesetz, das Cannabis als Medizin anerkennt, sind Cannabisblüten, Extrakte und Arzneimittel mit Nabilon (vollsynthetisches THC-Derivat) und Dronabinol unter bestimmten Voraussetzungen erstattungsfähig. Arzneimittel, in denen reines CBD-Isolat verarbeitet wurde, werden hingegen ausgeschlossen. Ein Kostenantrag hierfür ist nur nach den sehr viel strengeren allgemeinen Regelungen für „Off-label“-Rezepturen möglich.

Anders sieht es bei Rezepturen aus, die aus CBD-reichen Pflanzenextrakten hergestellt werden. Dies sind „standardisierte Cannabisextrakte“, die übernommen werden können. Das gleiche gilt für CBD-haltige Cannabisblüten sowie Extrakte aus diesen Blüten, die der Apotheker selbst herstellt. Da CBD-reiche Extrakte auch geringe Mengen THC enthalten, sind Ärzte hier zurückhaltender und geben dem Isolat den Vorzug. Medizinisch ist eine geringe Menge THC in der Regel unproblematisch, in einigen Fällen sogar vorteilhaft.

Die aktuelle Gesetzeslage

Seit dem 1. Oktober 2016 ist CBD offiziell verschreibungspflichtig. Damit wurde die Substanz in die Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung aufgenommen. Das bedeutet nur, dass CBD als Arzneimittel in Apotheken nur noch mit einem Rezept erworben werden darf. Das in diesem Zusammenhang entscheidende Schlagwort ist „Verkaufsabgrenzung“. Diese beschäftigt sich nicht mit der Frage, ob ein Arzneimittel apothekenpflichtig ist oder nicht, sondern nur, ob es dort frei verkäuflich ist oder es der Verschreibungspflicht unterliegt.

Vor allem bedeutet dies nicht, dass CBD in jeder Form ein Arzneimittel ist. In besagter Anlage 1 stehen auch Stoffe wie Zink, Vitamin E oder Vitamin C. Letzteres kann man in Reinform im Supermarkt dosenweise erwerben – aber eben nicht als Arzneimittel. Es gibt keine scharfe Abgrenzung zwischen Arzneimitteln, Lebensmitteln, Kosmetika etc. Der Wirkstoff allein ist dafür nicht ausschlaggebend, sondern die Form, die Konzentration und auch die Aufmachung. Bei anderen Stoffen gibt es formale und über das Gewohnheitsrecht etablierte Regelungen, die Orientierung geben. Diese gibt es für CBD noch nicht.

Hinzu kommt, dass die Regulierungen in Europa nicht einheitlich sind. CBD-haltige Hanföle mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent dürfen an sich als Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetik legal verkauft werden. Es gelten dann jedoch die mitunter komplexen Regelungen für diese Produktkategorien, wodurch sich die Zulassung als kompliziert gestalten kann. Als Arzneimittel ist CBD apothekenpflichtig, der Handel außerhalb der Apotheken in Deutschland ist damit untersagt.

Die Regelungen des Arzneimittelrechts liegen beim Verkäufer. Wer CBD-Produkte erwirbt, darf und muss sich weitgehend darauf verlassen, dass die Händler die Regeln achten. Eine rechtliche Grauzone ist auch der Erwerb von Produkten aus dem Ausland, die nur in Deutschland apothekenpflichtig sind. Neben den rechtlichen Fragen ist die Qualität ein wichtiger Punkt. Vor CBD-Produkten aus fragwürdigen Quellen wurde in der Vergangenheit immer wieder aufgrund der mangelhaften Qualität gewarnt. Eine Untersuchung des Schweizer Fernsehens von legalen und offen vermarkteten CBD-Produkten zeigt enorme Schwankungen beim CBD-Gehalt. Zudem wurden gesundheitsschädliche Rückstände gefunden – für den Einsatz bei Patienten ein absolutes No-Go.

Hinweis
Für Hersteller, Händler und Endverbraucher ist eine klare Regulierung wichtig. Die derzeitige Situation verunsichert nicht nur die Hersteller und Händler, sondern vor allem auch die Endverbraucher. Wie bei anderen Produkten muss es hier Rechtssicherheit und Qualitätsstandards geben.

Der europäische Nutzhanfverband (EIHA) hat in einem Positionspapier hierfür Vorschläge unterbreitet. Das vollständige Dokument „Reasonable regulation of cannabidiol (CBD) in food, cosmetics, as herbal natural medicine and as medicinal product“ (Oktober 2016) ist auf folgender Website zu finden: www.eiha.org/cbd-support