CBD-Blüten – Legal, illegal, wie war das nochmal?

Seit ungefähr zwei Jahren gibt einen neuen Trend – um nicht zu sagen Hype – zu beobachten, der seitdem rasant Fahrt aufnimmt: Sogenanntes CBD-Gras, also Cannabis mit einem sehr geringen Gehalt an THC, aber einem hohen Anteil an Cannabidiol, ist zur Zeit in aller Munde und bereitet schon jetzt etlichen staatlichen Behörden Kopfzerbrechen. Doch was genau ist „CBD-Gras“ eigentlich? Wofür wird es verwendet und vor allem: Ist das Ganze überhaupt legal?

Als im September 2016 auf der ältesten Hanfmesse Europas, der Cannatrade in Zürich, zum ersten Mal ein Handwagen voll mit getrockneten Hanfblüten durch die staunende Besuchermenge geschoben wurde, war allen Anwesenden dort klar: Hier ist etwas neu und komplett anders als die Jahre zuvor. Die Messebesucher waren freudig irritiert, denn das einzige Produkt, dass es bisher auf Cannabis-Messen in Europa noch nie gegeben hatte, war: Cannabis. In Reinform und als getrocknete Blüte. Der Handwagen war seinerzeit eine ziemlich effektive Werbemaßnahme der Firma „Cpure“, die damit ihr bis dato einzigartiges Produkt bewarb: Hanfblüten mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent, frei verkäuflich ab 18 Jahren, und das auch noch vollkommen legal, zumindest in der Schweiz.

Verwirrung anfangs groß

Es war auch sicherlich kein Zufall, dass just einen Monat zuvor der Anbau von THC-armem Hanf in der Schweiz legalisiert wurde. Seit diesem Tag sind gut zwei Jahre ins Land gezogen und CBD-Gras hat über die Grenzen der Schweiz hinaus bis nach Österreich, Italien und Deutschland riesige Wellen geschlagen. Doch auch in der Schweiz war die Verwirrung anfangs groß, ist das „legale“ Cannabis schließlich optisch und olfaktorisch nicht von „richtigem“ Gras zu unterscheiden. Schon allein der Begriff „CBD-Gras“ an sich ist schwierig und nahezu unmöglich zu definieren. In allererster Linie ist „CBD-Gras“ nämlich ganz normales Cannabis, mit dem Unterschied, dass der psychoaktive (und meist illegale) Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) aus der Pflanze nahezu heraus und dabei gleichzeitig der Gehalt an Cannabidiol (CBD) hochgezüchtet wurde. Das CBD-Gras löst daher keinen Rausch aus, wie man es sonst von Cannabis kennt, es wirkt dem Rausch von THC sogar entgegen.

Die Nutzer sprechen von einer entspannenden und beruhigenden Wirkung.

Wert zu niedrig, um illegal zu sein

Die Nutzer sprechen von einer entspannenden und beruhigenden Wirkung. Es gibt jedoch keine festen Grenzwerte, an denen man normales Cannabis strikt von CBD-Gras trennen könnte. Umgangssprachlich wird daher meist von „CBD-Gras“ gesprochen, wenn der THC-Gehalt so niedrig ist, dass das Endprodukt im jeweiligen Land legal ist. Wirft man inzwischen einen Blick zu dem Thema ins Internet, wird man sofort regelrecht überflutet mit Angeboten verschiedener Online-Händler, die das „legale Cannabis“ in ihrem Sortiment führen. Sorten mit wohlklingenden Namen wie „Monster Orange“, „Silver Haze“ oder „Pineapple Express“ können dort laut Anbieter problemlos und einfach von zu Hause aus bestellt werden, Lieferung drei bis vier Werktage, wenn nicht gerade ausverkauft. Doch nicht nur online blüht das Geschäft. In der Schweiz und in Österreich haben bereits die ersten Läden eröffnet, die mehr oder weniger ausschließlich CBD-Gras und andere Cannabisprodukte mit CBD anbieten. Hier kann man in gemütlicher Runde zusammensitzen und sich den legalen Genuss in die Tüte drehen. Als vor Kurzem im deutschen Braunschweig die Gründer der „Hanfbar“ es ihren Nachbarn gleichtun wollten, wurde das Ganze mit einem großen Polizeiaufgebot radikal beendet. Der komplette Warenbestand wurde beschlagnahmt und den Besitzern droht nun vielleicht sogar ein Verfahren. Wie legal ist nun also das neue „Cannabis light“?

Schweizer Tabakersatz

Im Geburtsland des CBD-Gras, der Schweiz, stellt sich die Sache juristisch am einfachsten dar. Im August 2016 beschloss das Bundesamt für Gesundheit, Cannabis ab sofort als Tabakersatzprodukt anzusehen, solange der THC-Wert des Cannabis unter einem Prozent liegt. Auch der Verkauf im Supermarkt an volljährige Kunden ist hier kein Problem. Das Rauchen von THC-armem Hanf ist sowohl privat als auch in den „Hanf-Lädli“ zulässig. Haarig wird es allerdings für den Konsumenten, wenn der THC-Gehalt im Cannabis über dem erlaubten Grenzwert liegt. Dies gilt in der Eidgenossenschaft als Ordnungswidrigkeit und wird mit einer Geldbuße von 100 Franken geahndet. Ab welcher Menge dabei die Ordnungshüter einschreiten, ist von Kanton zu Kanton unterschiedlich geregelt. Kein Wunder, dass die Schweizer in Sachen CBD-Gras Marktführer und Trendsetter sind.

Im August 2016 beschloss das Schweizer Bundesamt für Gesundheit, Cannabis ab sofort als Tabakersatzprodukt anzusehen, solange der THC-Wert des Cannabis unter einem Prozent liegt.

Kurzer Prozess in Österreich

Bei unseren österreichischen Nachbarn ist die Situation momentan noch ähnlich wie in der Schweiz. Allerdings gilt hier ein THC-Grenzwert für Cannabisprodukte von unter 0,3 Prozent. Der Wirkstoff CBD an sich fällt, anders als THC, nicht unter das Arznei oder Suchtmittelgesetz. Fachläden mit Hanfblüten stehen auch hier hoch im Kurs und das Geschäft läuft gut. Doch es ziehen dunkle Wolken am politischen Himmel für die österreichischen Hanffreunde auf. Die neue schwarzblaue Regierung unter Sebastian Kurz hat in ihrem aktuellen Regierungsprogramm „ein Verbot von Hanfsamen und Hanfpflanzen“ in ganz Österreich angekündigt. Damit sollen aller Wahrscheinlichkeit nach vorrangig Hobbygärtner getroffen werden, die Cannabis auf der Fensterbank oder im Growzelt züchten.

Viele Produzenten von CBD-Blüten geben zumindest an, das Pflanzenmaterial aus Nutzhanfsorten zu gewinnen, die von der EU zertifiziert sind. Inwieweit sie von den geplanten restriktiven Plänen der Regierung betroffen sind, ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht endgültig abzusehen. Die Ankündigungen der Regierung sorgten für vehementen Gegenwind aus der Bevölkerung. Die Cannabisbranche in Österreich ist zu einem relativ starken Industriezweig herangewachsen und sorgt neben zahlreichen Arbeitsplätzen auch für entsprechende Steuereinnahmen.

Obwohl es andere Produkte mit Cannabidiol wie Öle, Liquids für E-Zigaretten oder sogar reine CBD-Kristalle in Deutschland legal zu kaufen gibt, tut sich der Gesetzgeber mit der getrockneten Blüte schwer.

In Deutschland hat’s die Blüte schwer

In deutschen Landen ist der Traum vom Cannabisfachgeschäft um die Ecke leider immer noch das, was er ist – Ein Traum. Cannabis als Pflanze und alle seine Bestandteile fallen hier unter das sogenannte „Betäubungsmittelgesetz“ und sind nur in gewissen Ausnahmefällen (Wissenschaft, Medizin, Landwirtschaft etc.) verkehrsfähig. Zwar dürfen hier zugelassene EU-Sorten von Landwirten nach vorheriger Anmeldung angebaut werden, die Weiterverarbeitung erfolgt dabei allerdings nach strengen Regeln und muss einen „Missbrauch zu Rauschzwecken“ ausschließen. Bei Privatpersonen wird der Anbau, Besitz und Handel von Hanf strafrechtlich verfolgt, egal ob das Cannabis viel oder wenig THC enthält. Für weiterverarbeitete Hanfprodukte wie Tee oder Räuchermischungen gilt ein strikter THC-Grenzwert von unter 0,2 Prozent. Obwohl es andere Produkte mit Cannabidiol (CBD) wie Öle, Liquids für E-Zigaretten oder sogar reine CBD-Kristalle in Deutschland legal zu kaufen gibt, tut sich der Gesetzgeber mit der getrockneten Blüte schwer. Die Blüte an sich ist nun mal kein weiterverarbeitetes Produkt, sondern schlicht ein Pflanzenteil und somit laut BtMG illegal – da sitzt der Hase im Pfeffer. In Deutschland scheint es allerdings auch davon abzuhängen, ob man sich im eher repressiven Süden der Republik oder etwa in Berlin befindet.

Auf der diesjährigen Cannabis-Messe „Mary Jane“ jedenfalls war das Angebot von hochwertigen CBD-Blüten mindestens so groß wie die Nachfrage und auch einige deutsche Online-Shops versenden inzwischen das begehrte Material auf Bestellung. Doch juristisch kann es hier durchaus Probleme geben. So ist zum Beispiel der Grenzwert von unter 0,2 Prozent THC äußerst schwer einzuhalten und wurde bei verschiedenen Stichproben auch bereits immer wieder überschritten. Wird man als Verkäufer oder Endkunde mit einem solchen Produkt erwischt, droht eine Strafanzeige wegen unerlaubten Handels bzw. Besitzes von Betäubungsmitteln. Auch die Polizei hat ihre Schwierigkeiten, legalen von illegalem Hanf zu unterscheiden. So wird im Zweifelsfalle immer zuerst einmal ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, auch wenn das Cannabis alle Grenzwerte einhält. Um hier Abhilfe zu schaffen, müssten konkrete Veränderungen im BtMG vorgenommen werden, die im Moment allerdings politisch nicht wirklich auf der Agenda stehen. Auch die Auflage, „den Missbrauch zu Rauschzwecken auszuschließen“, stellt viele Produzenten und Händler vor ein großes Fragezeichen, verursacht Cannabis mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,2 Prozent doch ohne hin keinen Rausch. Die Ironie dabei, dass in ganz Deutschland riesige Hanffelder stehen, aber die Blüten davon nicht in kleinen Portionen an den Endkunden verkauft werden dürfen, scheint bei den Verantwortlichen in der Politik allerdings niemand zu bemerken.