AUF HANF BAUEN

Seit Jahrzehnten hantieren die Menschen mit giftigem Baumaterial. Besonders Dämmstoffe und ihre Behandlung haben es in sich. Wird Zeit, dass mehr Hanf zum Einsatz kommt.

Rund 90 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland sind älter als vierzig Jahre. Viele waren also betroffen, als 1977 die Schädlichkeit bestimmter Baustoffe festgestellt wurde. Die bekanntesten Beispiele für giftige Baustoffe, die sich noch heute in vielen Häusern finden, sind Formaldehyd, Asbest und veraltete Holzschutzmittel. In ca. 80 Prozent der deutschen Altbauten sind die hochgiftigen Überreste dieser Baumaterialien (Tapeten, Lacke, Farben, Kunststoffe) noch immer enthalten. Beim Menschen können diese Stoffe Symptome wie Unwohlsein, Kopfschmerzen, Schleimhautentzündungen, Schwindel, Gedächtnisverlust, Atemwegserkrankungen und Allergien hervorrufen.

WIE SIEHT ES AKTUELL AUS?

Heutzutage werden Dämmstoffe überwiegend aus Mineralwolle (Glaswolle, Steinwolle) und Polysterol (Hartschaumplatten) gewonnen. Die Auswirkungen dieser Stoffe auf die Gesundheit sind umstritten. Mineralwolle gilt als „möglicherweise krebserregend“. Sie reizt die Atemwege und Schleimhäute, da sich Fasern von winziger Größe im Organismus festsetzen können. Den Zusatzstoffen der Mineralwolle sagt man nach, für die Entstehung von Allergien mitverantwortlich zu sein. Die Fasern stechen in die Haut und sorgen für Juckreiz und Entzündungen. Mineralischer Staub verursacht ebenfalls Entzündungen des Rachenraums, der Atemwege und der Nasenschleimhäute. Auch Augenreizungen sind keine Seltenheit. Auslöser sind wenige Mikrometer kleine Faserbruchstücke, die der Mensch einatmet und die in den Atemwegen verbleiben. Bei Mineralwolle, die nach dem Jahr 2000 produziert wurde, braucht die Lunge 30 Tage, um die Hälfte der Faser abzubauen (Halbwertszeit). Bei älteren Dämmstoffen liegt die Halbwertszeit bei rund 300 Tagen. Die Folgen sind nicht nur Entzündungen, sondern auch Tumore (Krebs).

Auch Polysterol ist alles andere als unbedenklich. Der Hartschaum-Dämmstoff fängt schnell Feuer und wird deshalb mit dem Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) versehen. HBCD ist ein Umweltgift, reichert sich stark in Organismen an, wirkt fortpflanzungsschädigend und ist sehr langlebig. Seit 2013 gilt ein weltweites Anwendungsverbot, mit Ausnahmeregelung für den Einsatz in Dämmplatten.

Diese Stoffe können sich nicht nur negativ auf die Gesundheit der Bewohner auswirken, auch die Arbeiter, die auf den Baustellen die Gebäude errichten, erkranken oft mit teilweise irreversiblen Folgen. Bauherren greifen dennoch oft auf diese Materialien zurück, weil sie billig sind. Allerdings bieten immer mehr Produzenten im Baugewerbe Alternativen an. Eine davon ist Hanf.

HANF IST STAUB- UND SCHIMMELFREI

Dämmstoffe aus Hanffasern sind gesundheitlich unbedenklich. Da bei der Verarbeitung kaum Staub entsteht, der eingeatmet werden kann, werden Lunge und Atemwege nicht belastet. Hanf ist frei von umweltschädlichen Inhaltsstoffen, gesundheitsfreundlich in der Verarbeitung, hautverträglich (kein Jucken und kein Kratzen) und ist günstig im Anbau. Bei Baustoffen aus Hanf entsteht außerdem kein Schimmelpilz, was ihn besonders für Allergiker und Familien mit Kleinkindern attraktiv macht. Völlig unattraktiv ist Hanf hingegen für Schädlinge. Da im Endprodukt keine Proteine und keine Stärke enthalten sind, schmeckt es den Tierchen einfach nicht.

Wer sich dazu entschließt, Hanf im Hausbau einzusetzen, gewährleistet aktiven Umweltschutz durch nachwachsende Rohstoffe: Denn Hanf lagert in der Wachstumsphase CO2 ein. Mineralien für Mineralwolle hingegen werden oft im Tagebau gewonnen, was einen enormen Eingriff in die Natur darstellt und ganze Ökosysteme schädigen kann. Zudem lässt sich Hanf problemlos entsorgen und auch wiederverwerten. Dämmmaterialien aus Mineralwolle können hingegen nur auf Deponien „endgelagert“ werden.

In Sachen Brandschutz gibt es eine Kleinigkeit zu beachten: Dämmplatten aus Hanf sind zwar auch brennbar, als Flammschutz wird aber meist das umweltverträgliche Salzmineral Soda verwendet. Manchmal wird allerdings auch das Gewässerschädigende Borsalz benutzt. Hier sollten umweltfreundliche Verbraucher vorher prüfen, welcher Hersteller welchen Flammschutz bevorzugt.

ÜBRIGENS

Nicht nur im eigenen Heim lässt es sich leicht mit Hanf leben. Auch Kleinnagerbehausungen lassen sich staubfrei und hygienisch mit Hanf als Streu ausstatten. Gerade Allergiker, die auf konventionelles Streu mit Schnupfen und Husten reagieren, können auf die Hanfversion umsteigen. Auch dem kleinen Mitbewohner zuliebe: Denn neben dem Menschen leiden oft auch viele der domestizierten Nagerarten unter stark staubender Streu und reagieren mit Augenentzündungen und verstopften Näschen.