Alter Bekannter – CBD in der Kosmetik

Schon immer war die Kosmetikindustrie auf der Suche nach neuen bzw. „alten“ Zutaten, welche die Hautpflege revolutionieren sollten. Cannabis wird sich zum Dauerbrenner entwickeln, so viel ist sicher. Während der CBD-Boom in den USA kein Halten findet, wackelt es in Deutschland an der legalen Grundlage – auch für Kosmetikartikel.

Irgendwo in einem Labor im Osten der Vereinigten Staaten gelingt es dem amerikanischen Forscher Roger Adams im Jahre 1940, Cannabidiol aus Hanf zu isolieren und synthetisierte Analoga von THC und Cannabinol herzustellen. Eine Entdeckung, die den Grundstein für die heutzutage vielseitige Verwendung von CBD legte.

Laut Brightfield Group, einem auf Cannabis- und CBD-Marktforschung spezialisierten Unternehmen, ist CBD der „nächste trendige Schönheitswirkstoff“. Er könnte in den folgenden Jahren Argan-, Marula- und Kokosöl sowie Sheabutter und Aloe als Premium-Inhaltsstoff in der Hautpflege den Rang ablaufen.

Zahlreiche Produkte wurden in den letzten Jahren lanciert, hauptsächlich in den legalisierenden Ländern wie Kanada und einigen Staaten der USA. Unter den Bestsellern tummeln sich CBD-Bodylotion mit Manuka-Honig und Hyaluronsäure genauso wie CBD-Seifen mit Kokosnuss, Grapefruit und Sonnenblumen-Öl. Aber auch mit Mascara, CBD-infused, die für das Extra an Wimpernvolumen sorgen soll, Augenbrauen-Gel, Lippen-Balm und Parfüm soll CBD Teil der alltäglichen Beautyroutine werden.

Nicht mehr ohne CBD

CBD, die nicht-psychotoxische chemische Verbindung in der Marihuanapflanze, lässt immer wieder neue erfolgreiche Start-ups wachsen. Zu diesen Unternehmen gehören auch die Labels Nordic Oil und Pura Vida CBD. Ersteres ist eine der führenden Marken aus Skandinavien, die auch in Deutschland erfolgreich ihre Produkte mit CBD anbietet. Vor allem die Pflegeserie des jungen Unternehmens erfreut sich großer Beliebtheit. Sie wird hauptsächlich bei Hautkrankheiten wie Psoriasis, Akne, Ekzemen angewandt. „Die Nachfrage nach diesen Produkten ist weiterhin groß, schließlich hat CBD so gut wie keine Nebenwirkungen und sein Nutzen im Bereich der Hautpflege ist allgemein bekannt“, erklärt Dannie Hansen, Geschäftsführer von Nordic Oil.

Legal, wenn die Wirksamkeit es nicht zum Arzeimittel macht.

„Die Nachfrage nach diesen Produkten ist groß.“

Cynthia Müller von Pura Vida CBD Deutschlandvertrieb ergänzt: „Mittels CO2-Extraktionsverfahren gewinnen wir den Rohstoff CBD aus der Cannabis sativa, welcher dann mit Sheabutter, Carnuba- und Bienenwachs verfeinert wird.“ Pura Vida CBD ist eine Marke im Portfolio von Green Industries, mit Hauptsitz in den Niederlanden, die seit 2016 den Markt erobert.

Sich selbst regenerieren

Vor allem dem Einstellungswandel, wie Menschen Marihuana wahrnehmen – als Wellnessprodukt, und nicht nur als Freizeitdroge –, ist es zu verdanken, dass der Trend nach Produkten dieser Art anhält. „Cannabis ist ein Heilkraut, das Verbindungen enthält, die dem menschlichen Körper helfen können, sich selbst zu regenerieren“, sagt Dahlia Mertens, Gründerin der Firma Mary Jane‘s Medicinals. Die ehemalige Therapeutin erkannte schon früh die Vorteile der cannabis-infused Produkte, mit denen sie ihre Patienten behandelte. „Seine antiviralen und antibakteriellen Eigenschaften helfen zudem bei einer Vielzahl von Hautproblemen.“

Tatsächlich ist der Wirkstoff CBD keinesfalls fremd für den Körper. Der Mensch besitzt ein eigenes Endocannabinoidsystem, welches das innere Gleichgewicht im Körper regelt. CBD ähnelt den körpereigenen Endocannabinoiden und macht es damit zu einem Produkt, das die Gesundheit auf natürliche Weise wiederherstellen kann.

Unterstützend viel Wasser trinken

Ein Großteil der Forschung zum Heilungspotenzial von CBD konzentriert sich auf die Linderung von Juckreiz und trockener Haut, das belegen die Studien im Journal of Clinical Investigation und Journal of Experimental Medicine. Aber auch die antioxidantische Wirkungsweise von Cannabis ist nicht zu unterschätzen. CBD ist der neueste Held in Sachen Anti-Aging und die Beautywaffe, um die Zeichen der Hautalterung zu stoppen. Dank der enthaltenen Gamma-Linolensäure, die das Wasser bindet, werden Falten wieder aufgepolstert. Damit zählt die straffende Wirkung zur Königsdisziplin von CBD. Eine besonders gefragte Eigenschaft. Um diesen „Frische-Effekt“ zu unterstützen, sollte man viel Wasser trinken: Die vorhandenen anekdotischen Beweise im Hinblick auf die Hautpflege sind wegweisend, während in diesem Bereich noch viel Forschung betrieben werden muss.

EU möchte natürliches CBD in der Kosmetik verbieten

Aber sind Moisturizer und Co. mit Cannabis-Extrakt überhaupt legal? „Es herrscht derzeit bei Konsumenten wie Produzenten erhebliche Verwirrung zur Verwendung von Inhaltsstoffen der Cannabispflanze in Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika. Dazu trugen auch teils missverständliche und sogar sachlich eindeutig falsche Veröffentlichungen von Behörden bei“, erklärt Stefan Musiol, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz. „Die Verwendung von extrahiertem Cannabidiol (CBD) in Kosmetika ist derzeit rechtlich nicht gehindert (im Gegensatz zu Nahrungsmitteln, siehe Novel-Food-Verordnung).“ Die EU-Datenbank für kosmetische Inhaltsstoffe (CosIng) listet die verschiedenen Teile der Cannabispflanze auf und legt ein Verbot für die Verwendung von Cannabispflanzen mit einem Tetrahydrocannabinolgehalt (THC) von mehr als 0,3 Prozent fest, wobei CBD als Bestandteil ohne Einschränkungen in allen Kosmetikprodukten verwendet werden kann, solange das Produkt nicht wegen seiner Wirksamkeit zum Arzneimittel wird. Vorsicht ist jedoch geboten. Dazu Stefan Musiol weiter: „Nach dem Inhalt eines internen Dokuments, dessen Echtheit derzeit nicht verifizierbar ist, drängen Gremien in der EU-Verwaltung dennoch auf ein Verbot natürlichen CBDs in Kosmetika – zugunsten von synthetischem Material der Industrie. Profitabel für die Industrieproduzenten. Ein Gewinn für die Verbraucher wäre dies aber sicher nicht!“ Bleibt zu hoffen, dass diese Aussichten wirklich nur Schall und Rauch sind.