Alles für die Katz?

Cannabis zu Therapiezwecken für Tiere einzusetzen, klingt zunächst etwas kurios, wird aber in den USA schon häufig praktiziert. Das eigene Haustier auf gut Glück mit Gras zu versorgen, ist aber keine gute Idee. Denn Tiere reagieren mitunter anders als erwartet.

Ein US-amerikanischer Hersteller für nicht-psychoaktive medizinische Cannabisprodukte verzeichnete im Jahr 2017 ein Wachstum von unglaublichen 20 Prozent pro Monat. Der Grund dafür ist unter anderem, dass Medizinalhanf auch Tieren bei psychischen und physischen Beschwerden helfen kann. Marihuana-Extrakt wird zum Beispiel gegen Trennungsängste bei Hunden verwendet. Besonders Hunde von Züchtern, die im Welpenalter ihr Zuhause wechseln, leiden unter diesen Ängsten.

FÜR VIELE TIERARTEN GEEIGNET

Aber nicht nur Hunde und Katzen können mit Cannabis behandelt werden: Auch Rinder, Schweine und Pferde, ja sogar Alpakas zählen mitunter zu den neuen Patienten. Die Einsatzgebiete reichen von der Behandlung von Herzgeräuschen über Arthritis, Epilepsie, Angstzuständen bis hin zu Ohrenentzündungen. Viele Halter berichten von einer deutlichen Verbesserung und mehr Lebensqualität – auf beiden Seiten. Ausführliche Studien, die diese Wirkung auch bestätigen, werden allerdings gerade erst durchgeführt.

KEINE LANGZEITERFAHRUNGEN BEI TIERÄRZTEN

Bisher liegen auf dem Gebiet der Veterinärmedizin keine Studien oder Langzeiterfahrungen vor. Meist wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und dann langsam gesteigert, bis der gewünschte Effekt erzielt ist. Wie beim Menschen auch kann Cannabis die eigentliche Krankheit nicht heilen, wohl aber eine Verbesserung des Befindens und somit eine Reduzierung des Leidens bewirken. Dies allein kann für Tier und Mensch eine deutliche Erleichterung bedeuten. Bei Krankheiten wie Krebs sind Maßnahmen wie eine Operation meist unumgänglich. Auf die alleinige Wirkung der Pflanze sollten sich Tierliebhaber also nicht verlassen.

Die Einstellung der Dosierung ist eine heikle Angelegenheit, weil Tiere im Gegensatz zu Menschen bei einer Überdosis schwere körperliche Langzeitfolgen erleiden können, im Extremfall überleben sie eine Cannabisgabe nicht.

WO CANNABIS TIEREN HELFEN KANN

In den USA wird deutlich häufiger mit Cannabis therapiert als in Europa, auch ohne ärztliche Begleitung. Entsprechend findet man in amerikanischen Tierhalterforen Einträge, die von beinahe wundersamen Heilungen erzählen. Ein Halter berichtet, wie seine zwölf Jahre alte Bulldogge, die über zwei Jahre lang schlapp und apathisch vor sich hin vegetierte, wieder in juvenile Bewegung geriet. Ein anderer beschreibt die Krankengeschichte seines Rottweilers, der unter Blutkrebs litt. Die Chemotherapie war für ihn unerschwinglich und wird ohnehin in solchen Fällen in Frage gestellt. Das Tier magerte unter chronischem Durchfall und Erbrechen stark ab. Als er ihm Cannabis verabreichte, erholte der Hund sich. Er gewann seinen Appetit zurück und nahm wieder zu, heißt es in seinem Beitrag.

In den USA wird deutlich häufiger mit Cannabis therapiert als in Europa.

Der amerikanische Tierarzt Doug Kramer machte in einem Interview mit der amerikanischen Vice deutlich, worauf bei der Behandlung zu achten ist. Und dass Cannabis Tieren vor allem bei schwächenden und chronischen Krankheiten helfen kann. Seine erste Erfahrung in dieser Hinsicht machte er mit einem Hund, der auf keine der gängigen Schmerzmittel mehr ansprach und dessen letzte Alternative die Euthanisierung gewesen wäre. Geleitet von dem Wunsch, nichts unversucht zu lassen und den Hund wenigstens in seinen letzten Lebenstagen zu unterstützen, verabreichte er erstmals Cannabis. Nach der ersten Dosis sei der Hund wieder auf den Beinen gewesen. Auch wenn er nicht geheilt werden konnte, seien ihm die letzten Tage seines Lebens ohne Schmerzen geblieben. Inzwischen behandelt Kramer häufiger mit Cannabis. Am besten, so sagt er, lässt sich das Material mit einer Glycerin-Tinktur verabreichen, da sie akkurat dosierbar sei und angenehm im Geschmack.

KEINE BEHANDLUNG IN EIGENREGIE

In den USA ist Cannabis für Tiere zum Geheimtipp unter verzweifelten Tierhaltern geworden. Bereits vor der Legalisierung von Cannabis in einigen Bundesstaaten versuchten einzelne Tierhalter ein Rezept für medizinisches Cannabis für sich selbst zu bekommen, um mit diesem dann ihre kranken Haustiere zu behandeln. Hiervon rät Kramer allerdings ganz klar ab. Eine gezielte Dosierung und die medizinische Notwendigkeit hält er für unabdingbar, ebenso wie die Rücksprache mit einem Veterinär. Ohne Erfahrungswerte Tiere mit Cannabis zu füttern oder auch, ihnen den ausgeatmeten Rauch eines Joints ins Gesicht zu blasen, sei Tiermisshandlung.

CBD ALS ALTERNATIVE

In Deutschland sind CBD-Produkte für Hunde und Katzen frei verkäuflich. Oft kann den Vierbeinern damit schon geholfen werden, sodass THC-haltige Präparate nicht unbedingt notwendig sind. Sie helfen unter anderem bei Angstzuständen, Unruhe, Entzündungen, chronischen Schmerzen, gegen Übelkeit und können auch zur Linderung von neurologischen Krampfanfällen eingesetzt werden. Die meisten der Mittel dürfen auch bei anderen Tieren angewendet werden. Auch hier sollte im Zweifelsfall immer Rücksprache mit einem Tierarzt gehalten und der Beipackzettel sorgfältig gelesen werden. Der beratende Tierarzt ist idealerweise einer, der das Tier gut kennt und bereit ist, von Fall zu Fall zu entscheiden, immer in Hinblick auf die spezifischen Bedürfnisse. CBD für Tiere gibt es fast ausschließlich als Öl zu kaufen. Dieses Öl wird einfach unter das Futter gemischt, die Menge richtet sich dabei nach dem Körpergewicht.

HEILSVERSPRECHEN KÖNNEN TEUER WERDEN

Bei frei verkäuflichen Produkten ist aber auch Vorsicht geboten. Bisher lässt sich nur über Einzelfallberichte auf die Wirkung schließen, wissenschaftliche Belege sind rar und die Gefahr, viel Geld für ein Produkt auszugeben und am Ende keine Wirkung zu haben, kann nicht ausgeschlossen werden. Die US-amerikanische Tierärztin Dr. Stephanie McGrath sah sich in der Veterinärpraxis so häufig mit der Frage konfrontiert, wie Cannabis-Produkte Haustieren helfen können, dass sie anfing nachzuforschen. Dabei stellte sie fest, dass die Heilungsmöglichkeiten durch Einzelerfahrungen entdeckt wurden, es aber wenige wissenschaftlich valide Ergebnisse gab. Um diese Lücke zu schließen, führt sie derzeitig an der Colorado State University zwei Studien durch, die die Wirkung von Cannabis auf Hunde mit Epilepsie und Arthrose untersuchen. Dabei hebt sie ausdrücklich hervor, dass CBD-Extrakte keine Wunderkur darstellen, aber eine wichtige Alternative bei der Behandlung dieser Krankheiten darstellen können. Die Versuchsteilnehmer müssen in das zu behandelnde Krankheitsbild passen. So wird ausgeschlossen, dass auf ein vorgeneriertes Ergebnis hingearbeitet wird. Jede Veränderung wird dokumentiert und die Familien der Tiere werden tiefgehend zu sämtlichen Veränderungen befragt.

Cannabis kann vor allem schwächeren und chronisch kranken Tieren helfen.

CBD ANALYSIEREN LASSEN

Wie bei Cannabis für Menschen auch, werden Rufe nach mehr wissenschaftlichen Untersuchungen in Bezug auf Tiere laut. Aus den USA berichtet Dr. McGrath aber ebenfalls, wie schwierig es ist, finanzielle Unterstützung für ebensolche Studien zu finden. Tierhaltern in den Vereinigten Staaten bietet sich zumindest eine Alternative. Die Applied Basic Science Corporation führt eine Liste mit Herstellern von CBD-Produkten, deren Mixturen auf ihren Wirkstoffgehalt hin geprüft und deren zu erwartende Wirksamkeit damit auch wissenschaftlich bestätigt wurde. Andere CBD-Produkte können auch zur Untersuchung an dieses Unternehmen geschickt werden. Dort werden diese dann auf ihren CBD-Gehalt hin analysiert. So können Käufer zumindest überprüfen, ob das beworbene CBD-Produkt überhaupt genügend Wirkstoff enthält, um einen Effekt zu erzielen, der dem Versprechen des Herstellers nahekommt.